29.10.2018

BME rmr Diskussionsveranstaltung „IT in der Cloud“: Lohnend, aber aufwendig

Img 8066 I In Der Cloud

IT in der Cloud – welcher Veranstaltungsort würde da besser passen als einer nahe den Wolken? Der Skyview der DB Systel befindet sich im 31. Stockwerk des Silberturms nahe des Frankfurter Hauptbahnhofs auf rund 160 Meter Höhe. Und auch wenn der Veranstaltungsbeginn einige Minuten nach hinten verschoben wurde, damit die rund 20 Gäste noch Fotos von dem fantastischen Panorama machen konnten: René Schneider hatte die Aufmerksamkeit des Publikums mit seinen Ausführungen danach schnell auf sich gezogen. Er ist Enterprise Cloud Experte bei DB Systel, dem Digitalpartner aller Deutsche Bahn AG-Konzerngesellschaften mit rund 3.900 Mitarbeitern.

Für das Interesse gab es zwei Gründe: Zum einen sprach hier ein Praktiker, der bereits eine Menge Erfahrungen mit dem Thema sammeln konnte. Die Deutsche Bahn traf bereits früh die Entscheidung, nahezu sämtliche IT-Prozesse in eine Public Cloud auszulagern. Was gleichfalls bedeutet: die Public Cloud-Lösungen in das Unternehmen zu integrieren. Die Migration soll 2020 abgeschlossen sein – früher als zunächst geplant. Zum anderen steht der Wandel durch die digitale Transformation, der sich in Maßnahmen wie der Einführung agiler Managementstrukturen oder dem Auflösen klassischer Hierarchien zeigt, heute in nahezu allen Unternehmen ganz oben auf der Agenda.

„Bei der Cloud-Migration gibt es viele Herausforderungen – nur nicht die Technik“, überraschte Schneider gleich zu Beginn. Vielmehr zählen dazu unter anderem die Organisation, die Lizenzen und das Billing. Ein Problem sei beispielsweise, dass viele Lizenzgeber versuchten, alte Lizensierungsmodelle einfach auf die Cloud zu übertragen. Das funktioniere nicht, da die Strukturen ganz andere seien. Das Billing wiederum sei „extrem kleinteilig“, da in der Cloud meist minuten-, mittlerweile sogar millisekundengenau die Leistung abgerechnet werde, die flexibel in Anspruch genommen wurde. „Das stellt natürlich die heutige Struktur der Budgetverantwortung in Frage“, hob Schneider hervor. Insofern würden Modelle wie Budgetobergrenzen für die Cloud zur neuen Planungsgrundlage.

Von den kritischen Anwendungen, die der Konzern in Betrieb hat, ist es lediglich ein kleiner Anteil, der nicht in die Wolke geschoben wird. In diesen Fällen ist das entweder technisch nicht möglich, oder die Daten sind aus Sicht des Datenschutzes und des Business so kritisch, dass sie von einem spezialisierten Dienstleister gehostet werden müssen.

Technischer Wandel bedingt Umdenken

Die Entscheidung für die Public Cloud habe viele Vorteile, führte Schneider weiter aus. Die Sicherheit und Verfügbarkeit sei mindestens so hoch wie früher, weil die Cloud-Anbieter sich Tag und Nacht damit auseinandersetzen. „Unser Kerngeschäft ist die Bahn, nicht das Betreiben von Rechenzentren.“ Weitere Pluspunkte sind, dass wenig bis kein Kapital gebunden ist, und Services unterschiedlicher Fertigungstiefen in Anspruch genommen werden können. Er hob jedoch auch hervor, dass es guter Planung und Vorbereitung bedarf, um diese Vorteile optimal nutzen zu können.

Spätestens mit der Migration wurde auch die Transformation der Organisation nötig. Vertikale Teams mit zentraler Verantwortung lösten alte Hierarchien ab, gefragt sind Generalisten statt Spezialisten. Aus seiner Erfahrung konnte Schneider berichten, dass mit den Schulungen der Mitarbeiter möglichst früh angefangen werden sollte.

Einkäufer auf Augenhöhe

Nicht nur der Referent, auch die Zuhörer konnten viel Fachkompetenz vorweisen. Sie stellten zahlreiche Detailfragen, die Schneider bereitwillig beantwortete – und die teilweise in multilaterale Fachgespräche mündeten.

Der starken Kritik zur Einführung der Europäischen Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) und den damit verbundenen Anstrengungen der Unternehmen zum Trotz: Die seit jeher hohen Standards in Deutschland schaffen Vertrauen bei Kunden und Anwendern von Cloud-Lösungen. Und nicht nur bei denen, unterstrich Schneider. Die Provider wissen: „Wenn es in Deutschland funktioniert, funktioniert es überall.“

Über der Stadt und dem Main war es längst dunkel geworden. Die Fachtiefe der von BME rmr-Vorstandsmitglied Hans Jakob Strößenreuther organisierten Veranstaltung reizte aber in besonderem Maße zu zahlreichen Nachfragen und angeregten Gesprächen. Auch hier erwies sich die DB Systel, nicht zum ersten Mal, als angenehmer Gastgeber.


David Schahinian

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