07.06.2018

BME rmr, Betriebsbesichtigung: Alles im Fluss bei der SAMSON AG

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Wer regelmäßig auf der A661 zwischen Offenbach und Frankfurt unterwegs ist, der kann sie kaum übersehen: Große Fabrikgebäude mit der Aufschrift „SAMSON“ in unterschiedlichen Farben und Formen. Die Logos sind vielen geläufig. Was sich dahinter verbirgt, nur wenigen. Dabei dürfte der Hersteller von Ventilen und Reglern derzeit eines der spannendsten Unternehmen im Stadtgebiet sein: Historisch gewachsen, in Frankfurt verwurzelt, in mehr als 80 Ländern vertreten und mit einem eigenen Innovationszentrum gut gerüstet für die Industrie 4.0. Der BME rmr durfte bei einer exklusiven Betriebsbesichtigung erfahren, was hinter dem Claim „Smart in Flow Control“ steckt.

„Von der Autobahn aus lässt sich nur erahnen, wie groß das Firmengelände ist“, griff Gao Kwintmeyer, bei SAMSON verantwortlich für „Global Sourcing & Procurement“, den Ball auf. Auf einer Grundstücks- und Produktionsfläche von 150.000 Quadratmetern produzieren 1.800 Mitarbeiter in Frankfurt vor allem Stellventile. Die Technik ist die Kernkompetenz des 1907 gegründeten Unternehmens. Weltweit sind 4.200 Mitarbeiter bei SAMSON tätig, weitere Produkte sind unter anderem Regler, Antriebe, Signalumformer sowie digitale Lösungen.

Fast 50 Prozent des Gesamtvolumens wird in Frankfurt produziert. 1907 von Hermann Sandvoss gegründet, ist das Unternehmen trotz mancher Zukäufe und mittlerweile mehr als 50 Tochtergesellschaften vor allem organisch gewachsen. Tradition und Moderne, das zeichnet SAMSON in Frankfurt aus. So gibt es zum einen ein Museum, zum anderen wurde im November 2017 am östlichen Ende des Geländes das Rolf Sandvoss Innovation Center eröffnet. Für rund 21 Millionen Euro entstand dort das nach eigenen Angaben „modernste Entwicklungsprüfzentrum im Bereich der Ventiltechnologie“. Neben dem Prototypenbau können etwa Simulationen und Prüfungen in den verschiedensten Bereichen durchgeführt werden.

Weite Strecken, kurze Entscheidungswege

Produktionsleiter Norbert Tollas führte über einen Teil des Betriebsgeländes: Einige der Gebäude stehen aufgrund ihrer langen Historie unter Denkmalschutz, während in der nächsten Halle wenige Schritte weiter ein in einer Zelle eingehauster Roboter auf Arbeit wartet. „Die Gehäusefertigung hier läuft mehrschichtig“, erklärt Tollas die Geschäftigkeit, obwohl es schon nach 18 Uhr ist. Das über die Jahrzehnte stets größer gewordene Firmengelände kommt mitunter wieder an Grenzen: Bis zu elf Kilometer legt ein Ventil in der Fertigung zurück. Ein eigens angemieteter Laster verkehrt zwischen der Warenannahme und den Produktionshallen. Hier besteht Optimierungspotenzial.

Das Familienunternehmen wartet mit einer weiteren Besonderheit auf: einem sehr an den Mitarbeitern orientierten Führungsstil. 30 Kennzahlen in der Fertigung? Zu viel, und für Tollas ein sicheres Zeichen, dass sie eher dem Management als den Mitarbeitern helfen sollen. Stattdessen legt er Wert auf eine funktionierende interne Kommunikation und regelmäßige Treffen: „Wenn Sie die Belegschaft involvieren, kommen mitunter gigantische Sachen heraus“, spricht er aus Erfahrung. Es wird den Führungskräften gedankt: Firmenjubiläen anlässlich 40 Jahren Mitarbeit sind bei SAMSON keine Seltenheit.

Flexibilität ist das A und O

Auch ein neues Warehouse Management System soll bei der Logistik helfen. Das ist in dem Spezialgebiet, in dem das Unternehmen aktiv ist, Gold wert. 1,4-mal wird ein Ventil pro Jahr im Schnitt verkauft, manche Spezialwerkstoffe haben eine Lieferzeit von 12 bis 16 Wochen. Das sind nur zwei der vielen alltäglichen Herausforderungen. Die Produktion eines Ventils dauert indes in der Regel maximal zwei Wochen. Sie kommen überall dort zum Einsatz, wo Dinge im Fluss sind: bei Ölen, Gasen, Dämpfen und chemischen Substanzen etwa. Kein Wunder also, dass das Unternehmen auch selbst flexibel und beweglich bleiben muss.

Bevor es auf die Terrasse im 6. Stock mit atemberaubendem Ausblick geht, führen Gao Kwintmeyer und Norbert Tollas noch durch die Großventilfertigung. „Nichts umwerfen“ ist hier scherzhaft gemeint: Überlebensgroß und selbst mit viel Muskelkraft nicht zu bewegen sind die Produkte, die hier montiert werden und unter anderem in Kraftwerken zum Einsatz kommen. Die Exponate in der Dauerausstellung, wo die hochinteressante Besichtigung mit Networking endete, reizten zu weiteren Fragen. Technisch Interessierte ließen sich hier unter anderem noch erklären, wie ein Ventil beschaffen sein muss, dem selbst -180 Grad Celsius kalter Stickstoff nichts anhaben kann.


David Schahinian



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