31.01.2018

BME rmr-Jahresauftaktveranstaltung 2018 mit Professor Dr. Michael Hüther vom IW Köln: Zurück aus Jamaika

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29. Januar 2018: Deutschland ist auch mehr als vier Monate nach der Bundestagswahl noch weit von einer Regierungsbildung entfernt. Die Unternehmen, so scheint es, sind davon unbeeindruckt. Der Aufschwung läuft und läuft und läuft, wie es in einem Werbeslogan aus einer früheren Wirtschaftswunderzeit heißt. Professor Dr. Michael Hüther, Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) Köln, konnte gute Gründe dafür nennen – und warum es wichtig ist, gerade jetzt die Hände nicht in den Schoß zu legen. Einiges bleibt zu tun, erklärte er rund 100 Gästen im Lichthof der IHK Frankfurt beim gemeinsamen Jahresauftakt der BME-Regionen Rhein-Main und Hanau sowie dem Verband „Die Führungskräfte“.

Von Konjunktur wollte Hüther nicht reden. „Das hat damit nichts mehr zu tun – sondern vielmehr mit Wachstum.“ Konjunkturen verliefen in relativ stabilen Zyklen von fünf oder sechs Jahren. Das Wachstum hält bereits länger an, und von einem Einbruch ist nichts zu sehen. Nachfrageprobleme gibt es keine, im Gegenteil: Ein Drittel der deutschen Industrie gab im Herbst 2017 in einer Umfrage des IW Köln an, bereits über der Auslastung zu produzieren, die sie langjährig als normal empfinden. Im Bereich des Arbeitsmarktes sei die Marke von 45 Millionen Erwerbstätigen in Sicht.

Im Großen und Ganzen gilt: Die Stabilität generiert Stabilität. Das kommt nicht von ungefähr. Deutschland sei regional anders strukturiert als die USA oder manch andere EU-Mitgliedsländer, erklärte der Wirtschaftsexperte. Räumliche Netzwerke etwa seien „höchst bedeutsam“. Während es in den Vereinigten Staaten viele große, aber allein für sich stehende Monolithe gebe, wurden in Deutschland viele Cluster geschaffen. Selbst, wenn die Unternehmen im Wettbewerb zueinander stünden, profitierten sie doch beispielsweise von einer gemeinsamen Infrastruktur. Hinzu komme, dass sich der Dienstleistungssektor und die Industrie in der Bundesrepublik sehr viel stärker gemeinsam entwickelten als in anderen Ländern, in denen die Verbundwertschöpfung weitaus weniger stark ausgeprägt ist.

Neue Ideen für altes Europa sind gefragt

Damit das so bleibt, muss die Wettbewerbsfähigkeit gestärkt werden. Wohin es führt, wenn man das versäumt, erklärte er anschaulich anhand von – amerikanischen Waschmaschinen. Sie seien viel zu groß, schwer und unpraktisch, um auf internationalen Märkten bestehen zu können. Die Amerikaner aber sind an sie gewöhnt, der Binnenmarkt ist groß genug. Wenn der Handel nicht treibe, werden die Unternehmen weniger innovativ, weniger produktiv, und die Löhne sinken, mahnte Hüther: „Der Befund ist eindeutig.“

Er nannte die Tarifpartnerschaft als einen wesentlichen Standortfaktor, da sie dabei helfe, Konflikte in einem begrenzten Zeitrahmen gemeinsam zu lösen. Ob sie in der jetzigen Form noch zeitgemäß ist, versah er aber mit einem Fragezeichen. Auch die Digitalisierung könnte ein Treiber sein. Eigentlich hätte die Produktivität durch sie bereits stärker zunehmen müssen, doch tat sie das nicht. Digitalisierungskompetenzen sind in vielen Unternehmen noch Ausnahmen, hinzu kommt unter anderem auch der stockende Infrastrukturausbau. Dass in den Verhandlungen um eine neue Regierung des Weiteren nichts zur Verantwortung der Gestaltung des demografischen Wandels stand, fand der Wissenschaftler „unvorstellbar“. Mit scharfen Worten verurteilte er den Irrglauben, „dass man mit einem Koalitionsvertrag das Regierungsprogramm für die nächsten vier Jahre bestimmen“ könne – das sei absurd.

Und die „erschöpfte Globalisierung“, wie Hüther sie nannte: Droht von dieser Seite auch Gefahr? „Europa muss sich besinnen“, mahnte er. Es sei zwar ein „Club unvorhersehbarer Demokratien“, denn Demokratien seien per se unvorhersehbar. Europa aber fange neu an, und der Brexit biete Chancen. Nur, ob das derzeit handelnde politische Personal dafür noch geeignet ist – das versah er ebenfalls mit einem Fragezeichen.

BME ist zukunftsfit

Auch beim BME setzt sich der Aufschwung fort. Der stellvertretende Vorsitzende des Bundesverbandes, Dr. Silvius Grobosch, ließ daran keinen Zweifel: Die „BME Strategie 2030“ soll auf die Herausforderungen der Zukunft vorbereiten und kann bereits einige Leuchtturmprojekte vorweisen. So wurde gemeinsam mit dem Fraunhofer-Institut der Think Tank Einkauf 4.0 gegründet, um die digitale Professionalisierung des Einkaufs voranzutreiben. Darüber hinaus wurde der erste internationale Sino-German Procurement 4.0 Dialogue in der Volksrepublik China durchgeführt. Ein ehrgeiziges Ziel formulierte er ebenfalls: Bis 2030 soll die Marke von 30.000 Mitglieder erreicht werden. Zum 31. Dezember 2017 waren es rund 9.600.

Für vier davon wurde es ein besonderer Abend: Evelyn Kunkel, Beate Dillmann, Laurenz Büschel und Hans-Jürgen Eicke wurden jeweils für 25 Jahre Mitgliedschaft geehrt. Es spricht für das große Engagement der BMEler, dass drei der vier auch viele Jahre im Vorstand des Regionalverbandes aktiv waren oder sind. Hans-Jürgen Eicke wurde gleichzeitig offiziell verabschiedet. 22 der 25 Jahre hat er Vorstandsarbeit geleistet. Grobosch würdigte ihn als geschätzten Ansprechpartner und eine „tragende Säule“ des BME rmr.

Im Anschluss wurde intensiv Networking betrieben. Insbesondere die verbandsübergreifende Jahresauftaktveranstaltung bildet den idealen Rahmen, um über den eigenen Tellerrand zu schauen, neue Kontakte zu knüpfen und miteinander ins Gespräch zu kommen. Erst recht bei den glänzenden ökonomischen Aussichten, die der Gastredner für 2018 sah.


Autor: David Schahinian

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29.01.2018

Veranstaltung 2018-01-29 ("Jahresauftakt 2018 mit Professor Dr. Michael Hüther vom IW Köln")

29. Januar 2018: Deutschland ist auch mehr als vier Monate nach der Bundestagswahl noch weit von einer Regierungsbildung entfernt. Die Unternehmen, so scheint es, sind davon unbeeindruckt. Der Aufschwung läuft und läuft und läuft, wie es in einem Werbeslogan aus einer früheren Wirtschaftswunderzeit heißt. Professor Dr. Michael Hüther, Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) Köln, konnte gute Gründe dafür nennen – und warum es wichtig ist, gerade jetzt die Hände nicht in den Schoß zu legen. Einiges bleibt zu tun, erklärte er rund 100 Gästen im Lichthof der IHK Frankfurt beim gemeinsamen Jahresauftakt der BME-Regionen Rhein-Main und Hanau sowie dem Verband „Die Führungskräfte“.


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