24.11.2017

BME rmr – Werksbesichtigung Continental AG, Standort Frankfurt: High-Tech in Hochform

Continental Werk Frankfurt

Früher konnten Autobremsen nicht viel mehr als bremsen. Heutzutage sind bis zu 40 Software-Funktionalitäten möglich, die die Fahrer unterstützen und helfen, Unfälle zu vermeiden. Knapp acht Millionen solcher elektronischen Bremssysteme laufen jährlich bei Continental in der Guerickestraße in Frankfurt-Rödelheim vom Band – etwa 32.000 pro Tag. Der Standort mit 4.255 Mitarbeitern ist Hauptsitz der Division Chassis & Safety. Als einer der weltweit führenden Automobilzulieferer sind die Zugangsmöglichkeiten aus Sicherheitsgründen sehr begrenzt. Für 30 Mitglieder des BME rmr machte das Unternehmen aber eine Ausnahme und stellte ihnen die High-Tech-Produktion aus nächster Nähe vor. Kameras und Smartphones allerdings mussten draußen bleiben.

„Bitte links laufen“, ruft Dietmar Singer mit recht lauter Stimme. Er hat gute Gründe dafür: Zum einen aufgrund der Produktionsgeräusche in der Werkshalle. Dies ist auch der Grund, warum die Werksführungen per Audioguide übertragen werden. Zum anderen sind die Wege rechts der Gruppe schon für andere reserviert: Kleine Wagen, die Komponenten automatisch aufnehmen und an genau die Maschinen bringen, wo sie gerade gebraucht werden. Autonomes Fahren ist hier schon längst Realität. Wie von Geisterhand bewegen sich die unbemannten Gefährten per Funk durch die riesige Halle. Den „fahrerlosen Transportsystemen“, so ihr offizieller Name, geht man lieber trotz der eingebauten Sicherheitstechnik aus dem Weg, will man doch die fein aufeinander abgestimmten Produktionsabläufe nicht mutwillig aus dem Takt bringen.

Gewissermaßen konnte man den Besuch bei Continental als Fortsetzung der vorherigen Veranstaltung verstehen. Bei der Besichtigung der „effizienten Fabrik“ im Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum Darmstadt wurden an einzelnen Stationen Abläufe typischer mittelständischer Industriebetriebe abgebildet und mit digitalen Lösungen verbessert, um ihnen unter die Arme zu greifen. Bei Continental sind solche Technologien längst im großen Stil umgesetzt. Etwa, was die Globalisierung betrifft: Jedes Werk weltweit hat Echtzeit-Zugriff auf die aktuellen Produktionsdaten der anderen Werke. Entsprechend genau können die eigenen Arbeiten darauf abgestimmt und geplant werden – ob in Rödelheim, Südamerika oder Asien. Allein der Standort Frankfurt hat bereits mehrere Preise gewonnen, darunter 2014 den Lean Production Award. Die Jury lobte unter anderem die prozessorientierte Organisation sowie den schnellen und umfassenden Prozess zur Fehlereliminierung und -vermeidung.

Im Herzen von Europa

Dietmar Singer und Christian Modenbach gaben zuvor einen Überblick über die Historie des Unternehmens, das 1906 als Alfred Teves GmbH gegründet wurde. Was als Handelsvertretung eines ehemaligen Seefahrers begann, ist heute ein hochmodernes Werk, das so gut wie nie stillsteht. Gearbeitet wird derzeit in 20 von 21 möglichen Schichten. In Fahrzeugtypen nahezu jedes populären Herstellers finden sich Bremssysteme von Continental. Der Standort wird als großer Vorteil angesehen: „71 Prozent unserer Kunden sind in einem Radius von 800 Kilometern“, das ermöglicht kurze Lieferzeiten. Der Automatisierungsgrad beträgt bei manchen Produktionslinien bis zu 99 Prozent, nicht zuletzt dank der robotergestützten Montage und Prüftechnik. Auch der Materialfluss ist größtenteils automatisiert bis auf den Teil der Teilekommissionierung. Der Mensch bleibt dennoch bei einem täglichen Durchsatz von circa 3,5 Millionen Teilen weiterhin gefragt, vor allem gut qualifizierte Fachkräfte. „Eine Automatisierung wäre hier zu unflexibel“, erklärt Singer.

Und der Einkauf? Auch hier muss vieles Betriebsgeheimnis bleiben. Bernhard Hupka, Head of Regional HUB Germany bei Continental, lässt sich zumindest entlocken, dass er für 25 Standorte in der Beschaffung verantwortlich ist und ein Team von 38 Einkäufern führt. Die Mitarbeiter scheinen ihre Sache sehr gut zu machen: In der Wilhelm Fay-Straße musste aufgrund von Platzmangel ein zusätzliches Gebäude für die Entwickler angemietet werden, und auch international steht Continental keinesfalls auf der Bremse. Gerade wurde der Bau eines neuen Werkes im litauischen Kaunas angekündigt.

DAX-Konzern vor der Haustür

Das Interesse an der Werksbesichtigung für BME rmr-Mitglieder war schon im Vorfeld groß, die Veranstaltung war frühzeitig ausgebucht. Wer einen Listenplatz ergattern konnte, wurde nicht enttäuscht. Nicht nur, dass das Bild des Unternehmens, das viele hauptsächlich mit Autoreifen in Verbindung bringen, vielschichtiger wurde. Auch die Möglichkeit, Einblicke in die hochautomatisierten Produktionsabläufe eines DAX-Konzerns „vor der Haustür“ zu erhalten, ist selten.


David Schahinian


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