27.11.2016

BME rmr-Jahresabschlussveranstaltung 2016 zum Thema China: Am Roten Riesen führt kein Weg vorbei

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76 Prozent der Deutschen haben ein negatives Bild von China, während viele Chinesen Deutschland durchaus wohlgesonnen sind – zumindest, wenn man einer Umfrage der BBC Glauben schenken darf. Angesichts der intensiven Handelsbeziehungen zwischen beiden Ländern verwundert das. Kommunikation ist das beste Mittel, um Vorurteile abzubauen, und so war Frank Berberich der ideale Gastredner für die Jahresabschlussveranstaltung 2016 des BME rmr. Unter dem Motto „Business made in China“ lieferte er viele praktische Tipps und einen lebensnahen Blick hinter die Kulissen. Er ist seit mehr als 15 Jahren bei internationalen Unternehmen im Maschinenbau und in der Automobilindustrie im Einkauf tätig und lebte zeitweise in China, um lokale Lieferanten zu entwickeln

Die rund 40 Einkäufer fühlten sich (fast) wie in China, obwohl sie nur bis zur Stadtgrenze zwischen Frankfurt und Offenbach fahren mussten: Veranstaltungsort war das vor rund einem halben Jahr eröffnete New Century Hotel. Es ist das erste seiner Art der renommierten Kaiyuan-Hotelgruppe außerhalb Asiens, verzauberte am ersten Adventswochenende sowohl mit Weihnachtsbaum als auch asiatischen Einrichtungsgegenständen, und zur Verköstigung wurden viele chinesische Spezialitäten gereicht. Das kam gut an, zumal das Küchenteam bereitwillig und gerne Auskunft gab, was genau sich in den Töpfen und auf den Tellern befand.

Der BME hat früh erkannt, welches Potenzial in dem riesigen Land steckt. Das Netzwerk „BME in China“ hält Einkäufer schon seit Jahren regelmäßig mit Informationen und Veranstaltungen auf dem Laufenden. China zählt sowohl beim Import als auch beim Export zu den fünf wichtigsten Handelspartnern Deutschlands. „Wir sind beidseitig sehr abhängig geworden“, hob Berberich, Managing Director des Beratungsunternehmens BWC International, hervor. Es lohnt sich also, der hierzulande mitunter fremdartig wirkenden Kultur Chinas mehr Offenheit und Aufmerksamkeit zu schenken.

Vom Fischerdorf zur Metropole – in nur 30 Jahren

So waren und sind die Lebensrealitäten der Chinesen ganz andere als die der Deutschen. Derzeit herrsche dort eine Aufbruchstimmung wie in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg, berichtete Berberich. Das war ein ausschlaggebender Grund für ihn, seinen Lebensmittelpunkt zeitweilig dorthin zu verlagern, wie er später auf Nachfrage berichtete: „Die Motivation dort ist ungeheuer. Das hat mich beeindruckt und auch selbst motiviert.“ Die Relationen sind nach hiesigen Maßstäben manchmal kaum vorstellbar, etwa bei der Verstädterung. Shenzhen beispielsweise, vor 30 Jahren kaum mehr als ein Fischerdorf, hat seitdem rund zehn Millionen Einwohner hinzugewonnen.

Was die Wirtschaft betrifft, haben die Chinesen jüngst mit mehreren geplanten oder vollzogenen strategischen Übernahmen von deutschen Firmen Aufsehen erregt. Immer noch hat „Made in Germany“ in China einen klingenden Namen. Auch die duale Ausbildung wird als Vorbild und Erfolgskonzept der produzierenden Industrie angesehen. US-amerikanischen IT-Unternehmen wird dagegen oft ein chinesisches Pendant gegenübergestellt, das mitunter sogar besser als das Original sein kann. Statt WhatsApp wird WeChat genutzt, statt Amazon Alibaba.

Für die rmr-Einkäufer waren Berberichs Ausführungen zur Produktion in China ebenfalls aufschlussreich. Es gebe oftmals große Unterschiede zwischen einem Werbeprospekt und der Realität: „Ich rate zu Erstbesuchen oder der Durchführung von Audits.“ Die Bandbreite in puncto Qualität sei immens, doch den meisten Firmen sei gemein, dass sie westliche Standards erreichen wollen. Achtsamkeit sei auch bei den Kalkulationen nötig: Sie seien in China „ganz anders“, nämlich sehr viel einfacher aufgebaut als in Deutschland.

Kritik und Wohlwollen sind nicht zu trennen

Dem informativen Vortrag von Berberich schlossen sich zahlreiche Fragen der Zuhörer an. Die Übernahme deutscher durch chinesische Unternehmen sah Berberich nicht per se negativ. Sie hätten in der Regel ein Interesse an der Weiterführung des Betriebs. Andere Einkäufer verwiesen auf das Problem des Know-how-Verlusts und der Anfertigung von Kopien, für die China nach wie vor ebenfalls berühmt und auch berüchtigt ist. Ein kurioses Beispiel: Luohu Commercial City, die sogar dafür gerühmt wird, „a reputation for replica goods“, einen guten Ruf für Imitate, zu haben.

Genug spannende Themen also, die im weiteren Verlauf des Abends in angeregten Gesprächen weiterdiskutiert wurden. Lothar Kunkel, Vorstandsvorsitzender des BME rmr, dankte den Organisatoren des Abends, Laurenz Büschel und Peter Leitsch. Zugleich äußerte er die Bitte und den Wunsch, dass die Mitglieder sich auch 2017 aktiv einbringen und sich zahlreich zu den kommenden Veranstaltungen anmelden. Eine Terminübersicht finden Sie in dieser rmr-Info.


Autor: David Schahinian


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25.11.2016

Veranstaltung 2016-11-25 ("Jahresabschlussveranstaltung 2016 zum Thema China")

76 Prozent der Deutschen haben ein negatives Bild von China, während viele Chinesen Deutschland durchaus wohlgesonnen sind – zumindest, wenn man einer Umfrage der BBC Glauben schenken darf. Angesichts der intensiven Handelsbeziehungen zwischen beiden Ländern verwundert das. Kommunikation ist das beste Mittel, um Vorurteile abzubauen, und so war Frank Berberich der ideale Gastredner für die Jahresabschlussveranstaltung 2016 des BME rmr. Unter dem Motto „Business made in China“ lieferte er viele praktische Tipps und einen lebensnahen Blick hinter die Kulissen. Er ist seit mehr als 15 Jahren bei internationalen Unternehmen im Maschinenbau und in der Automobilindustrie im Einkauf tätig und lebte zeitweise in China, um lokale Lieferanten zu entwickeln.


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