09.02.2017

BME rmr-Jahresauftaktveranstaltung 2017: Einfach machen! – mit Dr. Michael Groß

2017-02-06_Michael Groß_Licht

Millionen Apps nehmen einem alle möglichen Arbeiten ab, aber schaffen sie wirklich mehr Durchblick? „Wir sollten uns nicht ver-app-en lassen“, findet Dr. Michael Groß. Der frühere Weltklasse-Schwimmer und dreimalige Goldmedaillen-Gewinner bei Olympischen Spielen hat in den 90er-Jahren eine zweite Karriere als Coach und Unternehmensberater mit den Schwerpunkten Change Management und Talent Management gestartet. Bei der Jahresauftaktveranstaltung 2017 des BME rmr, die gemeinsam mit dem Verband „Die Führungskräfte“ sowie der BME/IHK-Region-Hanau, Main-Kinzig-Kreis, Unterfranken, Osthessen organisiert wurde, sprach Groß über die Beherrschung von Komplexität. Seine Empfehlung: „Einfach machen!“ Der Abend traf voll ins Schwarze: Mit 160 Besuchern war der Lichthof in der IHK Frankfurt ausgebucht, die Anmeldung hatte vorzeitig geschlossen werden müssen.

Big Brother ist längst präsent, sagte Groß, und untermauerte das mit eindrucksvollen Zahlen. So basierten beispielsweise 80 Prozent der Netflix-Streams nicht auf eigenständigen Entscheidungen der Nutzer, sondern auf Empfehlungen des Konzerns. Spotify wisse mittlerweile nicht nur, was man streamt, sondern auch, wo. Oder das Precobs (Pre Crime Observation System) der Stadtpolizei Zürich: Jeden Morgen wird es mit Informationen über aktuelle Einbrüche gespeist. Zusammen mit den bereits gespeicherten Daten werden Prognosen errechnet, wo die Polizisten genauer hinschauen sollten. Das System ist erfolgreich: Die Zahl der Einbrüche sank um 30 Prozent.

Warum, das wisse allerdings niemand ganz genau. Ohnehin sei die moderne Welt von VUCA gekennzeichnet, auf Deutsch: Volatilität, Unsicherheit, Komplexität und Ambivalenz. Groß riet, sich Google zum Vorbild zu nehmen, und erfand für sein Konzept den Neologismus „Googelsieren“. Der Konzern verdankt seinen weltweiten Aufstieg der Tatsache, dass er Dinge einfach gemacht hat – sowohl im Sinne von vorneweg gehen, als auch im Sinne einer vereinfachten Bedienung.

Mehr Freiplanung, weniger Stand-by

Der Lehrbeauftragte an der Frankfurt School of Finance & Management  stellte einige Techniken vor, mit denen mehr Gelassenheit in den Arbeitsalltag einziehen kann. Der Mut zur Lücke etwa: Nicht alles, was schiefgeht, muss bis ins Kleinste seziert werden. Manchmal liefert man eine perfekte Leistung und wird trotzdem nur Zweiter: „Suchen Sie dann nicht das Haar in der Suppe, wo es keines gibt.“ Auch komme es darauf an, die richtigen Stärken zur richtigen Zeit einzusetzen. Zu seinen persönlichen zählten Durchhaltevermögen und Flexibilität. Je nach Situation können sie sinnvoll, aber auch kontraproduktiv sein.

Mittels anschaulicher Beispiele aus seinem eigenen (Berufs-)Leben schilderte Groß, wie er Komplexität beherrschen lernte. So überraschte er beispielsweise mit der Aussage: „Ich habe niemals einen vollen Terminkalender.“ Eine halbe Stunde oder auch mal ein halber Tag – immer bleibt Zeit für Freiplanung, wie er es nannte. Die gesparte Zeit sollte keinesfalls direkt wieder neu verplant werden. Ohnehin ist der permanente „Stand-by-Modus“ schädlich: „Spannung und Entspannung ist für den Menschen wichtig, diesen Rhythmus hat uns die Evolution in den Schoss gelegt.“ Wer permanent angespannt ist, empfinde irgendwann gar keine Spannung mehr: „Dann ist alles eine Sauce.“ Wer sich Freiräume schafft und erhält, arbeite zudem inspirierter, wie er plastisch am Bild eines Einkaufswagens demonstrierte: „Wenn er voll ist, passt nichts mehr hinein.“ Kreativität, Ideen und ihre Rekombination – das gelingt nur, wenn man ihnen die Möglichkeit gibt, Raum zu greifen.

Groß endete mit der Aufforderung, sich nicht zum Getriebenen der Digitalisierung machen zu lassen, sondern selbst das Heft des Handelns in der Hand zu behalten. Der Mensch besitze immer noch Fähigkeiten, die kein System beherrsche. Der entscheidende Punkt ist, einen eigenen Weg zu finden, mit der Komplexität umzugehen. „Früher hat die Welt doch auch funktioniert“, warf eine Zuhörerin ein. Ja, aber sie hat sich weitergedreht. Groß, der seit mehr als 20 Jahren im Change Management aktiv ist, wusste zu berichten: „Die Geschwindigkeit ist für viele mittlerweile eine große Herausforderung.“

Mehr zum Thema

Auch nach dem Vortrag zeigte sich der Redner, der beim BME rmr die erfolgreiche Vortragsreihe an der Schnittstelle zwischen Sport und Wirtschaft fortsetzte, kommunikativ und nahbar. Beim anschließenden Büfett und Networking mischte er sich unter die Gäste, wo die Themen in ungezwungener Atmosphäre vertieft wurden.

Wer Lust auf mehr praxisnahe Möglichkeiten zum Zeit- und Datenmanagement bekommen hat, dem empfehlen wir dringend den Besuch der nächsten BME rmr-Veranstaltung. Unser Referent, Frank Sadowski, ist Gründer und CEO von Otisko Social Media Campaigns. Er schlägt eine Schneise durch den Dschungel entsprechender Apps und Tools, die viel versprechen, aber oft genug mehr Zeit rauben als sparen. Was der Internet-Profi zur digitalen Produktivität zu sagen hat und wie er sein eigenes Leben erfolgreich digital organisiert, ist hochinteressant. Der historische Veranstaltungsort steht in bewusstem Kontrast zum modernen Thema: Das Palais Livingston im Frankfurter Westend wurde 1880 erbaut und diente ursprünglich als Pferdestall und Remise. Es wechselte mehrmals den Besitzer und war vom Abriss bedroht, bevor es die Stadt 1978 kaufte und sanierte. Heute ist es ein moderner Tagungsort, in den der BME rmr Sie am Mittwoch, 8. März, gerne einlädt.


Autor: David Schahinian



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06.02.2017

Veranstaltung 2017-02-06 ("Jahresauftaktveranstaltung 2017: Einfach machen! – mit Michael Groß")

Millionen Apps nehmen einem alle möglichen Arbeiten ab, aber schaffen sie wirklich mehr Durchblick? „Wir sollten uns nicht ver-app-en lassen“, findet Dr. Michael Groß. Der frühere Weltklasse-Schwimmer und dreimalige Goldmedaillen-Gewinner bei Olympischen Spielen hat in den 90er-Jahren eine zweite Karriere als Coach und Unternehmensberater mit den Schwerpunkten Change Management und Talent Management gestartet. Bei der Jahresauftaktveranstaltung 2017 des BME rmr, die gemeinsam mit dem Verband „Die Führungskräfte“ sowie der BME/IHK-Region-Hanau, Main-Kinzig-Kreis, Unterfranken, Osthessen organisiert wurde, sprach Groß über die Beherrschung von Komplexität. Seine Empfehlung: „Einfach machen!“ Der Abend traf voll ins Schwarze: Mit 160 Besuchern war der Lichthof in der IHK Frankfurt ausgebucht, die Anmeldung hatte vorzeitig geschlossen werden müssen.


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