02.08.2016

WORK-LIFE-BALANCE: EIN THEMA FÜR BEIDE GESCHLECHTER

Goldschmidt

KARRIERE UND LEBENSPRIORITÄTEN VERBINDEN

  • Immer mehr Studierende wollen Karriere und andere Lebensprioritäten verbinden
  • Berufliche Wünsche von Frauen und Männern nähern sich an
  • Prestige und Top-Gehalt sind weniger wichtig als persönliche Ziele
  • Unternehmen und Universitäten müssen sich auf die neuen Bedürfnisse einstellen

Arbeitgeber müssen sich auf veränderte Prioritäten in der Lebensplanung ihrer künftigen Führungskräfte einstellen. Work-Life-Balance ist nicht nur ein Thema für Frauen. Für fast ebenso viele Männer wiegen ihreLebensprioritäten inzwischen schwerer als eine berufliche Karriere. Zu diesem überraschend klaren Ergebnis kommt die aktuelleStudie „Integrating work and life–it’s not just a woman’s issue anymore“ der internationalen Managementberatung Bain & Companynach der Befragung von 1.500 MBA Studierenden und -Absolventen in den USA.

Dass ihnen das Erreichen ihrer nicht beruflichen Ziele wichtiger ist als eine schnelle Karriere, sagen 50 % der weiblichen und 51 % der männlichen MBAs. Darüber hinaus geben nur noch 32 % der Studentinnen und 36 % der Studenten dem beruflichen Aufstieg den Vorzug.„MBA-Studierende von heute denken intensiv
darüber nach, was sie beruflich und persönlich erreichen wollen“, analysiert Dr. Henrik Naujoks, für Personal verantwortlicher Partner bei Bain & Company. „Sie sind nicht mehr ausschließlich auf die Karriere fokussiert,sondern streben ein erfülltes Leben in vielen Dimensionen an.“ 40 % der Studentinnen und sogar 42 % der Studenten betrachten den ständigen Kompromiss zwischen Beruf undanderen Ambitionen als das größte Hindernis für ihre Karriereziele.

Männer definieren beruflichen Erfolg nach wie vor anders

Viele der befragten männlichen Studierenden formulieren Bedürfnisse, die früher als traditionell weiblich galten. Wichtiger als ein hohes Gehalt oder Prestige ist für 59 % der MBA-Aspiranten, in ihrem Beruf etwas Positives zu bewirken. 51 % möchten im Laufe ihrer Karriere ein soziales Projekt verwirklichen.Und 44 % wünschen sich eine Auszeit ohne berufliche Nachteile. „Abzuwarten bleibt, wie viel Teilnehmer an der Studie später diese Wünsche tatsächlich umsetzen wollen und können oder ob die Erfahrungen im Berufsleben und die persönlichen Lebensumstände die Einstellung zu diesen Themen verändern. Spannend wäre es daher, die befragten Personen im Abstand einiger Jahre noch mal zu befragen“, kommentiert DFK-Vorstand Dr. Ulrich Goldschmidt diese Ergebnisse.

Klare Unterschiede zwischen den Geschlechtern gibt es nach der BAIN-Studie hingegen weiterhin bei der Definition des beruflichen Erfolgs: Für 37 % der Studierenden ist finanzieller Wohlstand zweitwichtigstes Ziel. Bei den Frauen liegt dieses Bestreben mit 23 % lediglich auf Rang fünf. Außerdem nennen männliche Top-Absolventen Technologiekonzerne und unternehmergeführte Firmen als zwei von drei Wunscharbeitgebern, während Frauen auch starkes Interesse an Branchen mit gesellschaftlicher Bedeutung haben.

Wirtschaft und Bildungswesen müssen reagieren

Die Ergebnisse dieser Umfrage haben Konsequenzen sowohl für Unternehmen als auch für Ausbildungsstätten. Sie müssen sich auf die veränderten und flexibleren Karrierewünsche der Studierenden einstellen – die einen, um für die Top-Absolventen interessant zu bleiben, die anderen, um nicht an der Realität
vorbei auszubilden.

Die besten MBA-Programme galten bisher als Startrampe für eine intensive Karriere mit langen Arbeitstagen und vielen privaten Kompromissen. Die Unternehmen konnten sich darauf verlassen, dass ihre High Potentials alles dafür tun würden, um schnell aufzusteigen. Doch diese Zeiten sind vorbei. „Die aufstrebende neue Generation der Konzernlenker und Unternehmer zwingt die Wirtschaft zu akzeptieren, dass Karriere um jeden Preis nicht mehr das dominierende Ziel ist“, betont Bain-Partner Naujoks.

Für Unternehmen heißt es daher, mehr zu tun, als nur über Flexibilität zu reden. Sie müssen zeigen, dass es in ihrer Firmenkultur verschiedene Optionen für den Weg ins Top-Management gibt. Dazu gehören moderne Arbeitsmodelle wie Teilzeitbeschäftigung, Jobsharing, Homeoffice sowie Auszeiten, die der Karriere nicht schaden. „Es geht nicht länger nur darum, ein Talent möglichst schnell nach oben zu katapultieren“, so Naujoks. „Vielmehr gilt es, Führungspersönlichkeiten
zu entwickeln, die in ihrem Beruf, aber auch in anderen Lebensbereichen erfolgreich sind.”

Work-Life-Balance ist heute ein Thema für beide Geschlechter

Viele Unternehmen müssen ihre Beförderungsmechanismen überdenken, damit sich die neuen flexiblen Arbeitsmodelle durchsetzen können. Wer das schafft, zieht Spitzentalente nicht nur an, sondern bindet diese weiblichen und männlichen High Potentials auch langfristig an sein Unternehmen. Bain-Partner Naujoks stellt fest: „Arbeitgeber können es sich nicht länger leisten, die mehrdimensionalen Lebensziele der jungen Generation zu ignorieren oder als reines Frauenthema zu behandeln.“
DIE FÜHRUNGSKRÄFTE – DFK sehen sich darin bestätigt, dass sich Arbeitgeber künftig mehr als bisher bei potenziellen Mitarbeitern bewerben müssen. Work-Life-Balance wird damit zu einem Employer-Branding-Thema. Wer als attraktiver Arbeitgeber wahrgenommen werden will, muss ein Arbeitsumfeld anbieten, das den Lebensprioritäten künftiger Mitarbeiter Rechnung trägt.

Dr. Ulrich Goldschmidt

YOUNG LEADERS < PERSPEKTIVEN 5-6/2016

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