BIP-Ausgabe Mai/Juni: Viel PS und Energie - Erfolgsporträt Paul Anfang (Ex-Vorstand BME rmr)
Eigentlich hätte sich Paul Anfang bequem zurücklehnen können. Ermittler im Bereich Wirtschaftskriminalität war er Ende der 80er Jahre, Beamter auf Lebenszeit. Doch der passionierte Motorradfahrer mag keinen Stillstand. Er erweitert gerne seinen Horizont. Heute lenkt er als Vorstand die Geschicke des Versorgers BS Energy.
Das hat der heute 49-jährige Paul Anfang aus fünf Jahren Ermittlungstätigkeit mitgenommen? Da muss er nicht lange überlegen. „Schnelle Entscheidungen in Gefahrensituationen zu treffen war damals beim Zollkriminalamt das A und O. Das hilft mir auch heute noch.“ Ende zwanzig war der Diplom-Finanzwirt seinerzeit als Bereichsleiter, seine Welt war der Kampf gegen illegale Rüstungsexporte, Embargoverstöße und andere Wirtschaftsstraftaten. „Wenn Sie diesen Job machen, müssen Sie auf die Sekunde eine Entscheidung treffen und hoffen, dass sie nicht falsch ist. Sie können nicht sagen, ich berate mich mal eben. Mir wird bis heute gespiegelt, dass ich jemand bin, der geradeaus ist und nicht zaudert“, sagt Anfang.
1992 beschloss Paul Anfang, sich breiter aufzustellen. Er wollte in die Wirtschaft. Die Lufthansa-Tochter LSG Sky Chefs suchte einen Experten Außenwirtschaft zur Sicherung des grenzüberschreitenden Warenverkehrs. Anfangs spezielles Profil passte. Fortan ging es um Rechtsfragen, Subventionen für Lebensmittelausfuhren, spezifische Zollverfahren, und es gab erste Berührungspunkte mit der Materialwirtschaft. Anfang wurde schnell Abteilungsleiter, schob ein Fernstudium BWL und Controlling ein. Aber schon bald juckte es ihn wieder: „Ich wollte raus aus dem Spezialistentum“. Innerhalb des Lufthansakonzerns bot sich der nächste Karriereschritt: „Große Einkaufsabteilung für das Deutschlandgeschäft, rund 600 Millionen Volumen, viele gute Leute – spannend. Das Ganze war nicht gesteuert, ich bin durch Zufall in den Einkauf gekommen.“
Schnell kam die Verantwortung für die Regionen EMEA hinzu, Anfang wurde zum Vice President Procurement berufen. Kooperation mit Amerikanern nach einem Merger, Restrukturierung, Anpassung der Prozesse, Implementierung neuer Tools: „Das alles war damals schon
eine echte Herausforderung. Vor allem, weil die Einkäufer noch in einer anderen Welt lebten“, erinnert sich Anfang. Seitdem weiß der gebürtige Xantener, wie wichtig der interkulturelle Faktor für den Erfolg ist. „Das wird bei vielen Unternehmen viel zu wenig beachtet, die Wirtschaft verschenkt unnötig Milliarden.“ Das Gespür für fremde Business-Kulturen hilft Anfang auch heute noch – nun ist es die französische Art zu leben und zu arbeiten, die ihm täglich begegnet. Sein Branchenwechsel in die Energiebranche im Jahr 2003 – „das hat damals viele überrascht“ – führte ihn über den Frankfurter Energie- und Wasserversorger Mainova zur Braunschweiger Unternehmensgruppe BS Energy, im Mehrheitsbesitz des französischen Veolia-Konzerns. Hier bestimmt Anfang mit zwei französischen Vorstandskollegen die Geschicke der Gruppe mit 1 200 Mitarbeitern. „Unser Gesellschafter legt viel Wert auf enges Zusammenspiel, wir investieren breit in Aus- und Weiterbildung.“ Anfang betont, dass beide Seiten voneinander lernen und profitieren: „Ein wesentlicher Unterschied zwischen Franzosen und Deutschen ist die Strukturierung der Arbeit. Wir halten uns an Regeln und Zeiten. Die Franzosen sind relaxter. Gemeinsam finden wir gute Kompromisse. Und ich muss sagen, auch ich habe ich mich ein Stück weit umgestellt.“ Von Vorteil ist, dass beide Ko-Vorstände, Francis Kleitz und Julien Mounier, auch in Sitzungen deutsch sprechen.
Die Verantwortung für den Einkauf hat Anfang mit seinem Eintritt in den Vorstand bei BS Energy beibehalten. „Ich habe mir aber gesagt, du bist gut beraten, wenn du dich jetzt zunächst einmal intensiver um die neuen Aufgaben kümmerst.“ Das sind Dienstleistungen wie Kunden- und Messmanagement, IT-Management, Netz, Recht, Organisation und auch die Materialwirtschaft. So war es nicht verwunderlich, dass der „leidenschaftliche Einkaufsmensch“ alle Einkäufer qualifizieren ließ, unter anderem zum „Zertifizierten Einkaufsmanager“ mit BME-Abschluss. „Ich möchte, dass man den internen Kunden auf Augenhöhe entgegentritt“, sagt Anfang. Sein Motto: Mitarbeitern Freiheiten geben, Vertrauen
schenken. Freilich hätten diese dann am Ende auch ihre eigenen Entscheidungen mit allen Konsequenzen zu verantworten.
Anfang setzt bewusst auch auf Quereinsteiger. „Berufserfahrung innerhalb derselben Branche ist bei Wechseln nicht immer ein Vorteil, Tunnelblick kann auch behindern“, weiß er. Derzeit fehlen ITExperten und Ingenieure, der Markt gibt nicht mehr viel her. BS Energy sei, so betont
Anfang, „hervorragend aufgestellt“ in einer Zeit, die den Energieunternehmen viel abverlangt. Deren langfristig angelegten Business Cases stimmen nicht mehr, seit die Energiewende ausgerufen wurde. Eine komplexe und längst nicht geklärte Problemlage, die Paul Anfang
umtreibt. Vieles werde durch Politik und Lobbyisten populistisch dargestellt, meint er. Unbequeme Fakten würden schlichtweg übergangen: „Dem Bürger muss aber klar gemacht werden, dass es eine Wende nicht zum Nulltarif geben kann.“
Anfang hat viel zu sagen zu diesem Thema, er versteht es vor allem, ruhig und klar zu formulieren. Sich selbst beschreibt er als lernfähig und wissbegierig. Die Kombination dieser Eigenschaften war wohl auch ein Grund, dass man ihm das Amt eines ehrenamtlichen Richters
am Arbeitsgericht Braunschweig anbot. In den Diskussionen mit den Hauptamtlichen vertritt Anfang vier Mal pro Jahr die Arbeitgeberseite. Seinen eigentlichen Arbeitgeber hat der Vater dreier Mädchen wesentlich öfter beim Sport zu vertreten: nämlich immer dann, wenn der Basketball-Bundesligist Braunschweiger Phantoms auf Korbjagd geht. BS Energy ist ein Hauptsponsor und Anfang als Vize-Aufsichtsratsvorsitzender des Clubs wenn möglich bei Spielen dabei. „Eine spannende Sportart, man kann viel lernen. Hier müssen die Trainer nahezu jedes Jahr ein neues Team aufbauen und Erfolge bringen“, sagt Anfang.
Noch lieber als Basketball ist ihm freilich sein Motorrad, eine BMW K 1200 RS aus dem Jahr 2000. Eine Leidenschaft, die bereits zu Schulzeiten mit einer Vespa begann. Bis Nizza hat er es schon geschafft mit seiner 131-PS-starken Maschine, aber meistens geht es in die Umgebung von Braunschweig, und das gerne ohne Sozius. Mit seiner Frau besucht Paul Anfang häufig den Rheingau bei Wiesbaden. Ohne Motorrad, denn das wäre beim Genuss edlen Rieslings eher hinderlich.
Paul Anfang war neben seiner beruflichen Karriere von 2003 bis 2007 Mitglied im Regionsvorstand des BME Rhein-Main-Region, seit 2004 gehört er dem Bundesvorstand des BME an.
BIP ist das Fachmagazin für Manager in Einkauf und Logistik
Herausgeber ist der Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e.V. Der BME kennt die besten Konzepte und die Macher dahinter. BIP bereitet das Wissen der Besten auf – nutzwertig und neutral für alle Beteiligten der Supply Chain.
BIP erscheint 6 x im Jahr mit einer Aulage von je 15.500 Exemplaren. BIP erreicht die 8.000 Mitglieder des BME und weitere 7.500 Entscheider in Einkauf und Logistik.
www.bme.de/bip
Das hat der heute 49-jährige Paul Anfang aus fünf Jahren Ermittlungstätigkeit mitgenommen? Da muss er nicht lange überlegen. „Schnelle Entscheidungen in Gefahrensituationen zu treffen war damals beim Zollkriminalamt das A und O. Das hilft mir auch heute noch.“ Ende zwanzig war der Diplom-Finanzwirt seinerzeit als Bereichsleiter, seine Welt war der Kampf gegen illegale Rüstungsexporte, Embargoverstöße und andere Wirtschaftsstraftaten. „Wenn Sie diesen Job machen, müssen Sie auf die Sekunde eine Entscheidung treffen und hoffen, dass sie nicht falsch ist. Sie können nicht sagen, ich berate mich mal eben. Mir wird bis heute gespiegelt, dass ich jemand bin, der geradeaus ist und nicht zaudert“, sagt Anfang.
1992 beschloss Paul Anfang, sich breiter aufzustellen. Er wollte in die Wirtschaft. Die Lufthansa-Tochter LSG Sky Chefs suchte einen Experten Außenwirtschaft zur Sicherung des grenzüberschreitenden Warenverkehrs. Anfangs spezielles Profil passte. Fortan ging es um Rechtsfragen, Subventionen für Lebensmittelausfuhren, spezifische Zollverfahren, und es gab erste Berührungspunkte mit der Materialwirtschaft. Anfang wurde schnell Abteilungsleiter, schob ein Fernstudium BWL und Controlling ein. Aber schon bald juckte es ihn wieder: „Ich wollte raus aus dem Spezialistentum“. Innerhalb des Lufthansakonzerns bot sich der nächste Karriereschritt: „Große Einkaufsabteilung für das Deutschlandgeschäft, rund 600 Millionen Volumen, viele gute Leute – spannend. Das Ganze war nicht gesteuert, ich bin durch Zufall in den Einkauf gekommen.“
Schnell kam die Verantwortung für die Regionen EMEA hinzu, Anfang wurde zum Vice President Procurement berufen. Kooperation mit Amerikanern nach einem Merger, Restrukturierung, Anpassung der Prozesse, Implementierung neuer Tools: „Das alles war damals schon
eine echte Herausforderung. Vor allem, weil die Einkäufer noch in einer anderen Welt lebten“, erinnert sich Anfang. Seitdem weiß der gebürtige Xantener, wie wichtig der interkulturelle Faktor für den Erfolg ist. „Das wird bei vielen Unternehmen viel zu wenig beachtet, die Wirtschaft verschenkt unnötig Milliarden.“ Das Gespür für fremde Business-Kulturen hilft Anfang auch heute noch – nun ist es die französische Art zu leben und zu arbeiten, die ihm täglich begegnet. Sein Branchenwechsel in die Energiebranche im Jahr 2003 – „das hat damals viele überrascht“ – führte ihn über den Frankfurter Energie- und Wasserversorger Mainova zur Braunschweiger Unternehmensgruppe BS Energy, im Mehrheitsbesitz des französischen Veolia-Konzerns. Hier bestimmt Anfang mit zwei französischen Vorstandskollegen die Geschicke der Gruppe mit 1 200 Mitarbeitern. „Unser Gesellschafter legt viel Wert auf enges Zusammenspiel, wir investieren breit in Aus- und Weiterbildung.“ Anfang betont, dass beide Seiten voneinander lernen und profitieren: „Ein wesentlicher Unterschied zwischen Franzosen und Deutschen ist die Strukturierung der Arbeit. Wir halten uns an Regeln und Zeiten. Die Franzosen sind relaxter. Gemeinsam finden wir gute Kompromisse. Und ich muss sagen, auch ich habe ich mich ein Stück weit umgestellt.“ Von Vorteil ist, dass beide Ko-Vorstände, Francis Kleitz und Julien Mounier, auch in Sitzungen deutsch sprechen.
Die Verantwortung für den Einkauf hat Anfang mit seinem Eintritt in den Vorstand bei BS Energy beibehalten. „Ich habe mir aber gesagt, du bist gut beraten, wenn du dich jetzt zunächst einmal intensiver um die neuen Aufgaben kümmerst.“ Das sind Dienstleistungen wie Kunden- und Messmanagement, IT-Management, Netz, Recht, Organisation und auch die Materialwirtschaft. So war es nicht verwunderlich, dass der „leidenschaftliche Einkaufsmensch“ alle Einkäufer qualifizieren ließ, unter anderem zum „Zertifizierten Einkaufsmanager“ mit BME-Abschluss. „Ich möchte, dass man den internen Kunden auf Augenhöhe entgegentritt“, sagt Anfang. Sein Motto: Mitarbeitern Freiheiten geben, Vertrauen
schenken. Freilich hätten diese dann am Ende auch ihre eigenen Entscheidungen mit allen Konsequenzen zu verantworten.
Anfang setzt bewusst auch auf Quereinsteiger. „Berufserfahrung innerhalb derselben Branche ist bei Wechseln nicht immer ein Vorteil, Tunnelblick kann auch behindern“, weiß er. Derzeit fehlen ITExperten und Ingenieure, der Markt gibt nicht mehr viel her. BS Energy sei, so betont
Anfang, „hervorragend aufgestellt“ in einer Zeit, die den Energieunternehmen viel abverlangt. Deren langfristig angelegten Business Cases stimmen nicht mehr, seit die Energiewende ausgerufen wurde. Eine komplexe und längst nicht geklärte Problemlage, die Paul Anfang
umtreibt. Vieles werde durch Politik und Lobbyisten populistisch dargestellt, meint er. Unbequeme Fakten würden schlichtweg übergangen: „Dem Bürger muss aber klar gemacht werden, dass es eine Wende nicht zum Nulltarif geben kann.“
Anfang hat viel zu sagen zu diesem Thema, er versteht es vor allem, ruhig und klar zu formulieren. Sich selbst beschreibt er als lernfähig und wissbegierig. Die Kombination dieser Eigenschaften war wohl auch ein Grund, dass man ihm das Amt eines ehrenamtlichen Richters
am Arbeitsgericht Braunschweig anbot. In den Diskussionen mit den Hauptamtlichen vertritt Anfang vier Mal pro Jahr die Arbeitgeberseite. Seinen eigentlichen Arbeitgeber hat der Vater dreier Mädchen wesentlich öfter beim Sport zu vertreten: nämlich immer dann, wenn der Basketball-Bundesligist Braunschweiger Phantoms auf Korbjagd geht. BS Energy ist ein Hauptsponsor und Anfang als Vize-Aufsichtsratsvorsitzender des Clubs wenn möglich bei Spielen dabei. „Eine spannende Sportart, man kann viel lernen. Hier müssen die Trainer nahezu jedes Jahr ein neues Team aufbauen und Erfolge bringen“, sagt Anfang.
Noch lieber als Basketball ist ihm freilich sein Motorrad, eine BMW K 1200 RS aus dem Jahr 2000. Eine Leidenschaft, die bereits zu Schulzeiten mit einer Vespa begann. Bis Nizza hat er es schon geschafft mit seiner 131-PS-starken Maschine, aber meistens geht es in die Umgebung von Braunschweig, und das gerne ohne Sozius. Mit seiner Frau besucht Paul Anfang häufig den Rheingau bei Wiesbaden. Ohne Motorrad, denn das wäre beim Genuss edlen Rieslings eher hinderlich.
Paul Anfang war neben seiner beruflichen Karriere von 2003 bis 2007 Mitglied im Regionsvorstand des BME Rhein-Main-Region, seit 2004 gehört er dem Bundesvorstand des BME an.
BIP ist das Fachmagazin für Manager in Einkauf und Logistik
Herausgeber ist der Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e.V. Der BME kennt die besten Konzepte und die Macher dahinter. BIP bereitet das Wissen der Besten auf – nutzwertig und neutral für alle Beteiligten der Supply Chain.
BIP erscheint 6 x im Jahr mit einer Aulage von je 15.500 Exemplaren. BIP erreicht die 8.000 Mitglieder des BME und weitere 7.500 Entscheider in Einkauf und Logistik.
www.bme.de/bip
Quelle: BIP Ausgabe Mai/Juni 2012 (3/2012, 3. Jahrgang) Verfasser: Laurenz Büschel