BIP-Ausgabe Mai/Juni: Konjunktur und Rohstoffe - Interview mit rmr-Mitglied Uwe Breitkreuz
Wie ist Ihr Rohstoffeinkauf organisiert?
Chemetall ist seit 2004 Tochtergesellschaft der US-amerikanischen Spezialchemie-Holding Rockwood. Der Rohstoffeinkauf gliedert sich in einen operativen und einen strategischen Bereich. Die Finanz- und Wirtschaftskrise hat uns gelehrt, wie wichtig ein gut funktionierendes Risikomanagement ist. Dazu gehört auch ein effizienter Rohstoffeinkauf. Wir strukturieren diesen Bereich gegenwärtig komplett um: weg von der klassischen Organisation nach ABC-Analyse hin zum modernen Materialgruppenmanagement.
Welche Rohstoffe kaufen Sie ein?
Als Spezialchemieunternehmen beschaffen wir unter anderem Phosphorsäure, Schwefelsäure und verschiedene Nichteisenmetallsalze wie beispielsweise Nickelkarbonat. Die Preisfindung erfolgt über die an der Londoner LME gehandelten
NE-Metalle.
Belastet der explodierende Rohölpreis Ihr Geschäft?
Da wir auch Lösemittel und Spezialöle einkaufen, sind wir direkt betroffen. Steigende oder fallende Rohölpreise haben unmittelbaren Einfluss auf die Preisentwicklung. Leider geraten jetzt auch höher veredelte Materialien unter Druck. Bisher reagierten sie eher gedämpft auf anziehende Rohölnotierungen. Jetzt verteuern auch sie sich stetig.
Was bedeutet das für Ihre Einkaufsstrategie?
Wir müssen vor allem die Wirkmechanismen analysieren. Die Anbieter argumentieren gern mit steigenden Rohölpreisen. Sie haben mittlerweile gelernt, auf schwankende Nachfrage schnell mit Kapazitätsanpassungen zu reagieren. Wir erleben zurzeit, dass auch Materialien, die bisher kaum vom Rohölpreis beeinflusst wurden, plötzlich knapp werden. Offensichtlich lernen immer mehr industrielle Produzenten, ihre Kapazitäten schneller zurückzunehmen. Daraus resultieren dann Preiserhöhungen. Wir können als Einkäufer gegensteuern, indem wir versuchen, weitere Anbieter zu finden.
Wie wappnet sich Chemetall gegen den steigenden Rohölpreis?
In einem Marktumfeld stetig steigender Preise gilt für uns das Motto: Je früher wir beschaffen, desto besser für uns. Diesen Grundsatz sollte jeder gute strategische Einkäufer im Kopf haben. Er muss Entwicklungen vorwegnehmen können – und das möglichst frühzeitig. Wenn die Verkaufsseite zu dem gleichen Schluss gekommen ist, hat der Einkäufer nichts mehr davon. Der Einkäufer sollte möglichst frühzeitig feststellen, welche Rohstoffe teurer werden könnten. Ist der Zeitpunkt für den Rohstoffeinkauf noch günstig, sollten auch Vertrieb und Marketing des Unternehmens darüber informiert werden. Sie können dann rechtzeitig versuchen, die zu erwartenden Preissteigerungen an die Kunden weiterzugeben.
Was erwarten Sie vom Rohstoffjahr 2012?
Ich rechne auch in diesem Jahr mit einer starken Volatilität der Rohstoffmärkte. Der Einkauf von Rohstoffen bleibt durch anziehende Lohn- und Energiekosten schwierig. Die spannende Frage wird sein, ob der Rohölpreis die anderen Rohstoffnotierungen trotz moderater Nachfrage dauerhaft mit nach oben ziehen wird.
Hat sich das Verhalten der Market Player verändert?
Auf jeden Fall. Keiner will mehr im Markt der Letzte sein. Jeder versucht, künftige Entwicklungen möglichst frühzeitig vorwegzunehmen und an der Preis-/Mengenschraube zu drehen. Das sind Phänomene, wie wir sie bereits von den Aktienmärkten kennen. Dort werden Aktien verkauft, wenn die Unternehmen Spitzenumsätze und -gewinne vermelden. Gleichzeitig wird gekauft, wenn eine Firma gerade untergeht. Leider greift dieses Verhalten der Finanzmärkte mehr und mehr auf
die Realwirtschaft über.
Das Interview führte Frank Rösch, BME
Beachten Sie bitte auch unsere Reihe "Unsere Mitglieder - rmr stellt sie vor". In Folge 1 hatten wir Uwe Breitkreuz im Mai 2011 kurz vorgestellt: Mitgliedervorstellung (Teil 1)
BIP ist das Fachmagazin für Manager in Einkauf und Logistik
Herausgeber ist der Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e.V. Der BME kennt die besten Konzepte und die Macher dahinter. BIP bereitet das Wissen der Besten auf – nutzwertig und neutral für alle Beteiligten der Supply Chain.
BIP erscheint 6 x im Jahr mit einer Aulage von je 15.500 Exemplaren. BIP erreicht die 8.000 Mitglieder des BME und weitere 7.500 Entscheider in Einkauf und Logistik.
www.bme.de/bip
Chemetall ist seit 2004 Tochtergesellschaft der US-amerikanischen Spezialchemie-Holding Rockwood. Der Rohstoffeinkauf gliedert sich in einen operativen und einen strategischen Bereich. Die Finanz- und Wirtschaftskrise hat uns gelehrt, wie wichtig ein gut funktionierendes Risikomanagement ist. Dazu gehört auch ein effizienter Rohstoffeinkauf. Wir strukturieren diesen Bereich gegenwärtig komplett um: weg von der klassischen Organisation nach ABC-Analyse hin zum modernen Materialgruppenmanagement.
Welche Rohstoffe kaufen Sie ein?
Als Spezialchemieunternehmen beschaffen wir unter anderem Phosphorsäure, Schwefelsäure und verschiedene Nichteisenmetallsalze wie beispielsweise Nickelkarbonat. Die Preisfindung erfolgt über die an der Londoner LME gehandelten
NE-Metalle.
Belastet der explodierende Rohölpreis Ihr Geschäft?
Da wir auch Lösemittel und Spezialöle einkaufen, sind wir direkt betroffen. Steigende oder fallende Rohölpreise haben unmittelbaren Einfluss auf die Preisentwicklung. Leider geraten jetzt auch höher veredelte Materialien unter Druck. Bisher reagierten sie eher gedämpft auf anziehende Rohölnotierungen. Jetzt verteuern auch sie sich stetig.
Was bedeutet das für Ihre Einkaufsstrategie?
Wir müssen vor allem die Wirkmechanismen analysieren. Die Anbieter argumentieren gern mit steigenden Rohölpreisen. Sie haben mittlerweile gelernt, auf schwankende Nachfrage schnell mit Kapazitätsanpassungen zu reagieren. Wir erleben zurzeit, dass auch Materialien, die bisher kaum vom Rohölpreis beeinflusst wurden, plötzlich knapp werden. Offensichtlich lernen immer mehr industrielle Produzenten, ihre Kapazitäten schneller zurückzunehmen. Daraus resultieren dann Preiserhöhungen. Wir können als Einkäufer gegensteuern, indem wir versuchen, weitere Anbieter zu finden.
Wie wappnet sich Chemetall gegen den steigenden Rohölpreis?
In einem Marktumfeld stetig steigender Preise gilt für uns das Motto: Je früher wir beschaffen, desto besser für uns. Diesen Grundsatz sollte jeder gute strategische Einkäufer im Kopf haben. Er muss Entwicklungen vorwegnehmen können – und das möglichst frühzeitig. Wenn die Verkaufsseite zu dem gleichen Schluss gekommen ist, hat der Einkäufer nichts mehr davon. Der Einkäufer sollte möglichst frühzeitig feststellen, welche Rohstoffe teurer werden könnten. Ist der Zeitpunkt für den Rohstoffeinkauf noch günstig, sollten auch Vertrieb und Marketing des Unternehmens darüber informiert werden. Sie können dann rechtzeitig versuchen, die zu erwartenden Preissteigerungen an die Kunden weiterzugeben.
Was erwarten Sie vom Rohstoffjahr 2012?
Ich rechne auch in diesem Jahr mit einer starken Volatilität der Rohstoffmärkte. Der Einkauf von Rohstoffen bleibt durch anziehende Lohn- und Energiekosten schwierig. Die spannende Frage wird sein, ob der Rohölpreis die anderen Rohstoffnotierungen trotz moderater Nachfrage dauerhaft mit nach oben ziehen wird.
Hat sich das Verhalten der Market Player verändert?
Auf jeden Fall. Keiner will mehr im Markt der Letzte sein. Jeder versucht, künftige Entwicklungen möglichst frühzeitig vorwegzunehmen und an der Preis-/Mengenschraube zu drehen. Das sind Phänomene, wie wir sie bereits von den Aktienmärkten kennen. Dort werden Aktien verkauft, wenn die Unternehmen Spitzenumsätze und -gewinne vermelden. Gleichzeitig wird gekauft, wenn eine Firma gerade untergeht. Leider greift dieses Verhalten der Finanzmärkte mehr und mehr auf
die Realwirtschaft über.
Das Interview führte Frank Rösch, BME
Beachten Sie bitte auch unsere Reihe "Unsere Mitglieder - rmr stellt sie vor". In Folge 1 hatten wir Uwe Breitkreuz im Mai 2011 kurz vorgestellt: Mitgliedervorstellung (Teil 1)
BIP ist das Fachmagazin für Manager in Einkauf und Logistik
Herausgeber ist der Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e.V. Der BME kennt die besten Konzepte und die Macher dahinter. BIP bereitet das Wissen der Besten auf – nutzwertig und neutral für alle Beteiligten der Supply Chain.
BIP erscheint 6 x im Jahr mit einer Aulage von je 15.500 Exemplaren. BIP erreicht die 8.000 Mitglieder des BME und weitere 7.500 Entscheider in Einkauf und Logistik.
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Quelle: BIP Ausgabe Mai/Juni 2012 (3/2012, 3. Jahrgang) Verfasser: Laurenz Büschel