Gefährliche Post: Gefahr erkannt - Gefahr gebannt
Der Fall „Deutsche Bank“ schreckte Ende des vergangenen Jahres viele Unternehmen auf. Italienische Anarchisten hatten eine präparierte Briefsendung an den Vorstandsvorsitzenden des Instituts, Dr. Josef Ackermann, adressiert. Der Inhalt: 50 Gramm eines explosiven Zündstoffs sowie eine Sprengvorrichtung, die von der Polizei rechtzeitig entschärft werden konnte. Als Geschäftsführer des Postdienstleistungs-Spezialisten Mail Professionals betreibt Ekkehard Hahn Poststellen in zahlreichen sicherheitskritischen Ministerien und Spitzenorganisation. Hier ist sein Erfahrungsbericht.
Nach Angaben der Polizei wird in Deutschland jeden Monat eine Briefbombe versandt. Die Dunkelziffer dürfte wesentlich höher liegen, doch ist die Häufigkeit allein nicht aussagekräftig genug, um das Gefahrenpotenzial für einzelne Unternehmen und Personen seriös einzuschätzen. Es kann jeden treffen, da die Tätermotive nicht klar umrissen sind. Vom gekündigten oder in der Ehre gekränkten Mitarbeiter über Terrorzellen bis hin zu Widerstandsorganisationen mit politischen Zielen reicht das Spektrum der bisher in Erscheinung getretenen Attentäter. Die gleiche große Bandbreite ist auf Seiten der potenziellen Opfer zu beobachten, die in allen Ebenen und Hierarchien zu finden sind.
Der Schlüssel zum Umgang mit dieser Gefahr liegt vor allem in der Poststelle. Eine hundertprozentig sichere Erkennung von Brief- und Paketbomben gibt es nicht. Umso wichtiger ist es, die Poststelle zum einen technisch und personell so auszurüsten, dass eine größtmögliche Chance besteht, verdächtige Sendungen frühzeitig zu identifizieren. Zum anderen reichen Insellösungen nicht aus, denn die Poststelle ist zwar ein potenzielles, aber bei weitem nicht das einzig mögliche Einfallstor für gefährliche Güter. Die Risikoeinschätzung muss daher in der Geschäftsleitungs-Ebene angesiedelt sein, die die Sicherheitsschritte für die eingehende Post vorgeben und in ein Gesamtkonzept einbetten muss.
Wie erkennt man eine Briefbombe?
Wichtigstes Hilfsmittel der Poststellen- Mitarbeiter ist der eigene kritische Sachverstand. In der Praxis bleiben ihnen vielleicht nur einige Sekunden, um das Gefahrenpotenzial einer Briefsendung richtig interpretieren zu können. Aus diesem Grund sind regelmäßige Schulungen ein Muss. Mit Hilfsmitteln wie beispielsweise Webapplikationen wie dem "X Ray Tutor" können sich die Mitarbeiter die nötige Routine erarbeiten, die im Ernstfall überlebenswichtig werden kann. Zu den Merkmalen, die auf eine Briefbombe hinweisen können, zählen unter anderem:
Röntgen als Schlüsseltechnik
Der technische Fortschritt in punkto Sicherheitstechnik verläuft rasant. Trotzdem ist bei weitem nicht alles, was möglich ist, auch sinnvoll. Metalldetektoren beispielsweise vermitteln eine subjektive Sicherheit, eignen sich jedoch nicht als praktikable Lösung für den Posteingang. Metallgegenstände sind in Warensendungen durchaus üblich, während das Gerät biologische oder chemische Bedrohungen unbeanstandet passieren lässt.
Röntgengeräte stellen derzeit das Mittel der Wahl dar, da sie auch bei größerem Postaufkommen schnell konkreten Aufschluss über den Inhalt einer Sendung geben können. Wichtig ist eine Mindestspannung von mindestens 140 Kilovolt, da sonst keine ausreichende Durchdringung des Gegenstands gewährleistet ist. Das Know-how und die Erfahrung der Mitarbeiter spielen auch hier die entscheidende Rolle. Sie müssen die Bilder "lesen" und erkennen können, hinter welchen Mustern sich potenzielle Gefahren verbergen.
Die Bedienung von Röntgengeräten im Posteingang ist völlig harmlos, da keine Strahlung austritt. Nach der in Deutschland gültigen Röntgenverordnung (RöV) ist ihr Betreiber, also der Vorstand oder Geschäftsführer, jeweils der Strahlenschutzverantwortliche. Er kann einen Strahlenschutzbeauftragten bestellen, der seine Fachkunde und Zuverlässigkeit gegenüber der zuständigen Behörde nachweisen muss. Als Ergänzung zum Röntgengerät eignen sich so genannte Sniffer, die verdächtige Proben aufgrund ihrer molekularen Zusammensetzung identifi zieren können.
Vorsicht ist bei Geräten geboten, deren Gefahrenpotenzial auf den ersten Blick nicht erkennbar ist. So machen Brieföffnungsmaschinen unter Umständen eine Sichtprüfung einzelner verdächtiger Sendungen unmöglich. Im schlimmsten Fall verteilen sie giftige Stoffe aufgrund ihrer Bauweise im gesamten Raum.
Notfallplan und regelmäßige Schulung
Sicherheit kostet Geld, aber mangelnde Sicherheit kann Menschenleben kosten. Das Bewusstsein für die Sensibilität des Poststellenbereichs ist in vielen Unternehmen noch nicht so weit ausgeprägt wie es wünschenswert ist. Sowohl in den Seminaren zum Gefahrenpotenzial gefährlicher Postsendungen als auch bei vielen namhaften Kunden bietet sich für die Mail Professionals ein ähnliches Bild. Rund ein Drittel der Unternehmen trifft überhaupt keine Vorkehrungen zur Sicherheit in der Poststelle. Immerhin etwa die Hälfte greift das Thema aktiv auf, verfügt über Notfallpläne und schult ihre Mitarbeiter regelmäßig. In der Regel sind es 15 Prozent der Kunden und Seminarteilnehmer, die eine möglichst weitgehende Risikominimierung im Posteingang erarbeiten, beispielsweise mit zusätzlichen Röntgen-Prüfungen.
Wüssten Sie, wie Sie sich im Ernstfall verhalten sollten?
Zunächst einmal ist eine verdächtige Sendung unter Quarantäne zu setzen, und zwar in Räumen, in denen eine potenzielle Briefbombe möglichst wenig Schaden anrichten kann. Dies können beispielsweise Räume sein, die ein Fenster haben und möglichst an eine Außenwand grenzen. Besteht ein berechtigter Verdacht, sollten sich alle Personen unverzüglich aus dem potenziellen Gefahrenbereich entfernen. Der Versuch, die Postsendung näher zu inspizieren, kann sehr gefährlich sein. An dieser Stelle zeigt sich die Notwendigkeit eines kontinuierlich eingeübten Notfall- und Evakuierungsplans, der konzentriert abgearbeitet werden kann. Der Ernstfall sollte der Erfahrung nach mindestens einmal pro Monat geübt werden, damit die Mitarbeiter die nötigen Schritte auf Dauer verinnerlichen. Schließlich sind sie es, die über den Erfolg oder Nichterfolg der Sicherheitsmaßnahmen entscheidet - nicht die Technik.
Nach Angaben der Polizei wird in Deutschland jeden Monat eine Briefbombe versandt. Die Dunkelziffer dürfte wesentlich höher liegen, doch ist die Häufigkeit allein nicht aussagekräftig genug, um das Gefahrenpotenzial für einzelne Unternehmen und Personen seriös einzuschätzen. Es kann jeden treffen, da die Tätermotive nicht klar umrissen sind. Vom gekündigten oder in der Ehre gekränkten Mitarbeiter über Terrorzellen bis hin zu Widerstandsorganisationen mit politischen Zielen reicht das Spektrum der bisher in Erscheinung getretenen Attentäter. Die gleiche große Bandbreite ist auf Seiten der potenziellen Opfer zu beobachten, die in allen Ebenen und Hierarchien zu finden sind.
Der Schlüssel zum Umgang mit dieser Gefahr liegt vor allem in der Poststelle. Eine hundertprozentig sichere Erkennung von Brief- und Paketbomben gibt es nicht. Umso wichtiger ist es, die Poststelle zum einen technisch und personell so auszurüsten, dass eine größtmögliche Chance besteht, verdächtige Sendungen frühzeitig zu identifizieren. Zum anderen reichen Insellösungen nicht aus, denn die Poststelle ist zwar ein potenzielles, aber bei weitem nicht das einzig mögliche Einfallstor für gefährliche Güter. Die Risikoeinschätzung muss daher in der Geschäftsleitungs-Ebene angesiedelt sein, die die Sicherheitsschritte für die eingehende Post vorgeben und in ein Gesamtkonzept einbetten muss.
Wie erkennt man eine Briefbombe?
Wichtigstes Hilfsmittel der Poststellen- Mitarbeiter ist der eigene kritische Sachverstand. In der Praxis bleiben ihnen vielleicht nur einige Sekunden, um das Gefahrenpotenzial einer Briefsendung richtig interpretieren zu können. Aus diesem Grund sind regelmäßige Schulungen ein Muss. Mit Hilfsmitteln wie beispielsweise Webapplikationen wie dem "X Ray Tutor" können sich die Mitarbeiter die nötige Routine erarbeiten, die im Ernstfall überlebenswichtig werden kann. Zu den Merkmalen, die auf eine Briefbombe hinweisen können, zählen unter anderem:
- ein fehlender, unbekannter oder schlecht zu identifizierender Absender
- unfrankierte oder nicht entwertete Sendungen
- Zusätze wie "Persönlich", "Vertraulich" oder "Privat" auf dem Umschlag
- fehlerhafte oder nicht am üblichen Platz stehende Adressierung sowie
- ein strenger Geruch oder eine verfärbte Verpackung
Röntgen als Schlüsseltechnik
Der technische Fortschritt in punkto Sicherheitstechnik verläuft rasant. Trotzdem ist bei weitem nicht alles, was möglich ist, auch sinnvoll. Metalldetektoren beispielsweise vermitteln eine subjektive Sicherheit, eignen sich jedoch nicht als praktikable Lösung für den Posteingang. Metallgegenstände sind in Warensendungen durchaus üblich, während das Gerät biologische oder chemische Bedrohungen unbeanstandet passieren lässt.
Röntgengeräte stellen derzeit das Mittel der Wahl dar, da sie auch bei größerem Postaufkommen schnell konkreten Aufschluss über den Inhalt einer Sendung geben können. Wichtig ist eine Mindestspannung von mindestens 140 Kilovolt, da sonst keine ausreichende Durchdringung des Gegenstands gewährleistet ist. Das Know-how und die Erfahrung der Mitarbeiter spielen auch hier die entscheidende Rolle. Sie müssen die Bilder "lesen" und erkennen können, hinter welchen Mustern sich potenzielle Gefahren verbergen.
Die Bedienung von Röntgengeräten im Posteingang ist völlig harmlos, da keine Strahlung austritt. Nach der in Deutschland gültigen Röntgenverordnung (RöV) ist ihr Betreiber, also der Vorstand oder Geschäftsführer, jeweils der Strahlenschutzverantwortliche. Er kann einen Strahlenschutzbeauftragten bestellen, der seine Fachkunde und Zuverlässigkeit gegenüber der zuständigen Behörde nachweisen muss. Als Ergänzung zum Röntgengerät eignen sich so genannte Sniffer, die verdächtige Proben aufgrund ihrer molekularen Zusammensetzung identifi zieren können.
Vorsicht ist bei Geräten geboten, deren Gefahrenpotenzial auf den ersten Blick nicht erkennbar ist. So machen Brieföffnungsmaschinen unter Umständen eine Sichtprüfung einzelner verdächtiger Sendungen unmöglich. Im schlimmsten Fall verteilen sie giftige Stoffe aufgrund ihrer Bauweise im gesamten Raum.
Notfallplan und regelmäßige Schulung
Sicherheit kostet Geld, aber mangelnde Sicherheit kann Menschenleben kosten. Das Bewusstsein für die Sensibilität des Poststellenbereichs ist in vielen Unternehmen noch nicht so weit ausgeprägt wie es wünschenswert ist. Sowohl in den Seminaren zum Gefahrenpotenzial gefährlicher Postsendungen als auch bei vielen namhaften Kunden bietet sich für die Mail Professionals ein ähnliches Bild. Rund ein Drittel der Unternehmen trifft überhaupt keine Vorkehrungen zur Sicherheit in der Poststelle. Immerhin etwa die Hälfte greift das Thema aktiv auf, verfügt über Notfallpläne und schult ihre Mitarbeiter regelmäßig. In der Regel sind es 15 Prozent der Kunden und Seminarteilnehmer, die eine möglichst weitgehende Risikominimierung im Posteingang erarbeiten, beispielsweise mit zusätzlichen Röntgen-Prüfungen.
Wüssten Sie, wie Sie sich im Ernstfall verhalten sollten?
Zunächst einmal ist eine verdächtige Sendung unter Quarantäne zu setzen, und zwar in Räumen, in denen eine potenzielle Briefbombe möglichst wenig Schaden anrichten kann. Dies können beispielsweise Räume sein, die ein Fenster haben und möglichst an eine Außenwand grenzen. Besteht ein berechtigter Verdacht, sollten sich alle Personen unverzüglich aus dem potenziellen Gefahrenbereich entfernen. Der Versuch, die Postsendung näher zu inspizieren, kann sehr gefährlich sein. An dieser Stelle zeigt sich die Notwendigkeit eines kontinuierlich eingeübten Notfall- und Evakuierungsplans, der konzentriert abgearbeitet werden kann. Der Ernstfall sollte der Erfahrung nach mindestens einmal pro Monat geübt werden, damit die Mitarbeiter die nötigen Schritte auf Dauer verinnerlichen. Schließlich sind sie es, die über den Erfolg oder Nichterfolg der Sicherheitsmaßnahmen entscheidet - nicht die Technik.
Verfasser: Ekkehard Hahn