Seltene Erden und Schwarze Schwäne - Die 3. Deutsche Rohstoffmesse in Frankfurt
Für die meisten Einkäufer sind die aktuellen Entwicklungen auf den Rohstoff-Märkten von großer Bedeutung für ihre tägliche Arbeit. Gerade in den letzten Jahren hat der Bereich durch technische Entwicklungen und die damit verbundenen Nachfrageverschiebungen für viel Spannung gesorgt. Hinzu kamen Spekulanten, die für manch absurde Preisentwicklung verantwortlich waren. Keine leichte Aufgabe für Einkäufer, kühlen Kopf zu bewahren, die Märkte richtig einzuschätzen, Entwicklungen zu antizipieren und daraus die richtigen Entscheidungen abzuleiten. Der BME rmr war zu Besuch auf der 3. Deutschen Rohstoffmesse im Japan Tower in Frankfurt, um zukünftige Trends und Entwicklungen aufzuspüren.
Eines wurde bereits zu Beginn klar: Rohstoffe sind bei Investoren und industriellen Käufern angesagt, aber von der Marktsituation, den politischen, finanziellen und geologischen Zusammenhängen her kaum miteinander vergleichbar. Der thematische Bogen spannte sich vom Salzabbau über die aktuellen Probleme der Uranbranche bis hin zum Hype-Thema Seltene Erden. Neben einer Vielzahl von Fachvorträgen und Podiumsdiskussionen gab es zahlreiche Möglichkeiten, sich an den Ständen der Aussteller individuell zu informieren und mit den Experten, die teilweise aus Amerika und Australien zur Messe anreisten, ins Gespräch zu kommen.
Das offizielle Programm wurde mit einem launigen Vortrag von Dirk Müller, dem von der Presse gerne als "Gesicht des DAX" bezeichneten Börsenhändler, eröffnet. Er stellte einige Volten der Rohstoffmärkte dar, verwies jedoch darauf, dass die Gründe für die teilweise enormen Preisschwankungen sehr unterschiedlich sind. So waren sich die Fachleute bei den Seltenen Erden weitgehend einig: Hier sind viele Investoren auf den Zug aufgesprungen, aber die langfristige Entwicklung zeigt in eine andere Richtung. Aus gutem Grund, wenn man die Hintergründe kennt. Es ist noch gar nicht lange her, da bedienten die USA bis zu 85 % des Weltmarktes - seit einigen Jahren wird jedoch keine einzige Tonne mehr dort abgebaut. Heute ist China die kontrollierende Weltmacht bei den Seltenen Erden, die 97 % des weltweiten Marktes bedient. Das Land kennt das kleine Wirtschafts-Einmaleins und verringerte alleine in den letzten zwei Jahren drei Mal die Exportquoten, was in der Folge für steigende Preise sorgte.
Allerdings sind die Seltenen Erden gar nicht selten. Aufgrund der Preispolitik, manch einer auf der Messe sprach auch von Dumping, war die Exploration von Seltenen Erden in anderen Ländern nicht mehr wirtschaftlich. Der Wind hat sich jedoch gedreht, nicht zuletzt aufgrund der immer neuen Anwendungsgebiete, in denen Seltene Erden gute Dienste leisten. Der Buchautor und Rohstoff-Experte Christoph Brüning nannte exemplarisch das Neodymium, das in Hochleistungs-Magneten eingesetzt wird. Im Gegensatz zu konventionellen Magneten verlieren diese ihren Magnetismus auch bei hohen Temperaturen nicht. Daher werden sie in Turbinen und Hybridfahrzeugen eingesetzt, damit auch bei hoher Wärmeentwicklung weiterhin Strom erzeugt werden kann. Untersuchungen hätten ergeben, so Brüning, dass in jedem Hybridfahrzeug neun bis zwölf Pfund der Seltenen Erdmetalle eingesetzt werden.
Mit Substitution kann man der Situation kaum aus dem Weg gehen, da manche Elemente herausragende Eigenschaften besitzen, die sie so begehrt machen. Die Abhängigkeit von China und die gestiegene Nachfrage haben allerdings dafür gesorgt, dass die Wirtschaftlichkeitsanalysen der Explorationen heutzutage anders ausfallen. Es lohnt sich wieder, alte Vorkommen zu reaktivieren und die reichlich vorhandenen weltweiten Ressourcen zu erschließen. Ein Problem, das insbesondere die westlichen Nationen noch haben, ist das verloren gegangene Know-how, das man sich nun mühsam wieder erarbeiten muss. Es wird jedoch bald damit gerechnet, dass genügend Anbieter auf dem Markt sind, um die Vormachtstellung Chinas zu beenden. Brüning verwies in diesem Zusammenhang darauf, dass China hauptsächlich über die so genannten leichten Seltenen Erden verfüge. Er prophezeit die zunächst etwas kurios anmutende Entwicklung, dass China spätestens 2015 selbst zum Importeur wird, da das Land die schweren Seltenen Erden dann zukaufen muss.
In der Einschätzung zur aktuellen Lage an den Finanzmärkten spielte aus gegebenem Anlass die Situation nach den Katastrophen in Japan eine große Rolle. Das spürten auch die vier Vertreter von Uran-Explorationsunternehmen, die keinen günstigen Moment erwischt hatten, um ihre aktuellen Projekte anzupreisen. Die Meinungen über das radioaktive Metall gingen weit auseinander. Naturgemäß verwiesen die Firmenvertreter auf die nach wie vor große Nachfrage, die beispielsweise von China ausgehe. Immerhin: Keine drei Tage nach dem Beginn der Probleme mit den Reaktoren in Fukushima billigte der Volkskongress in China den Bau zahlreicher neuer Kraftwerke. Trotzdem müsse man Investitionen von Emotionen klar trennen und auf die Fakten achten.
Bei drastisch gefallenen Preisen und der erwarteten hohen Nachfrage würde dies bedeuten, dass gerade jetzt ein günstiger Zeitpunkt zur Deckung von Uranbedarf wäre. Kernenergie sei immer noch eine der sichersten und günstigsten Energiequellen. Darüber hinaus könnten alternative Energien auch mittel- und langfristig die Nachfrage nach Energie nicht alleine decken. Die Technologie mache Fortschritte, daher werde auch der Bedarf an Uran langfristig als groß angesehen. Der momentane Preiseinbruch sei emotional bedingt und nach Einschätzung der anwesenden Experten kurzfristig. Stichwort: "German Angst".
Unbestritten ist dagegen, dass der Mensch Salz benötigt. Kai Kirchhoff, Investor Relations Manager bei Kali + Salz, gab einen kleinen Einblick in das einzige Rohstoffunternehmen im DAX. Kali + Salz hat eine sehr erfolgreiche Entwicklung hinter sich und ist mittlerweile der weltgrößte Salzhersteller. Die Gründe für die anfängliche Konzentration auf die namensgebenden Rohstoffe sind wirtschaftlicher Natur: Die Gewinnung von Kali und Salz weist viele Parallelen auf, so dass viele Synergieeffekte zum Tragen kommen - unter anderem ein gemeinsamer Einkauf.
Hinsichtlich vieler Nahrungsmittel-Rohstoffe stehe die Landwirtschaft laut Kirchhoff vor der Herausforderung, immer mehr Menschen mit begrenzt verfügbarem Ackerland zu ernähren. Das zweite Standbein des Unternehmens, Düngemittel, soll dabei Hilfe leisten. Die Lagerbestände an Mais und Getreide seien eher niedrig, da insbesondere im vergangenen Jahr das Angebot aufgrund vieler Dürren und weiterer Einflüsse kleiner war als die Nachfrage. Die Preise für Agrarprodukte bleiben davon nicht verschont, bereits zur Mitte des letzten Jahres gab es eine große Steigerung. Kirchhoff vermutet, dass dieses Niveau insgesamt weiter fortgeschrieben wird.
Dirk Müller erinnerte beim Rohstoff Mais aber auch an den letzten großen Preisausbruch nach oben. 2008 stieg der Preis innerhalb von wenigen Wochen, um kurz darauf weit unter den ursprünglichen Preis zu fallen. Einkäufer, die streng nach Fundamentaldaten geurteilt hatten, konnten diese Entwicklung kaum vorhersehen und einpreisen, da die Entwicklung spekulationsgetrieben war. Die Investoren hätten Kasse gemacht, weil sie die Kosten der Immobilienkrise zahlen mussten. Innerhalb kürzester Zeit haben sich die Kapitalströme damals umgekehrt. Dieses Risiko ist kaum kalkulierbar und insbesondere bei Lebensmitteln ein großes Ärgernis, ganz abgesehen von moralischen Bedenken. Vor diesem Hintergrund sind Sicherungsgeschäfte beinahe ein Muss, da sich die Entwicklung auch bei anderen Rohstoffen wiederholen kann.
Ein Grund für die stark gestiegene Anzahl an Spekulanten und der Boom vieler Rohstoffe ist das geschwundene Vertrauen in die Währung, so Müller. Er untermauerte seine These mit der Verschuldung Amerikas, die nicht mehr einzufangen sei. Eine grundlegende Sanierung würde gar nicht mehr in Angriff genommen, weil am Ende dieser Entwicklungen die Schulden neu verhandelt würden. Die Ansprüche gegen den Staat blieben gleich, aber die Belastungen, die Zinslast, wären nicht mehr vorhanden. Die Frage sei nicht mehr ob dies geschieht, sondern wann. Exemplarisch wird dies gerade an Griechenland deutlich, und ein Fingerzeig, dass Müllers These richtig ist, gab der frühere EZB-Chefvolkswirt Issing in einem Spiegel-Interview am vergangenen Wochenende: An einer Umschuldung für Griechenland führe kein Weg vorbei. Liest man diese Schlagzeilen in einigen Jahren auch über die USA und Deutschland?
Die dramatischen Entwicklungen spielten auch bei den Industriemetallen eine signifikante Rolle. Die Lager für Aluminium und Blei seien seit 2009 randvoll, doch die Preise wären in der gleichen Zeit deutlich angestiegen. Im Endeffekt spiele es gar keine Rolle, so Müller, ob die Industrie die Rohstoffe nachfragt - die Investoren fragen sie nach. Ein weiterer Grund für Einkäufer, sich bei Rohstoffen lieber gegen allzu große Preisschwankungen abzusichern, sind Schwarze Schwäne. Der Schriftsteller Nassim Taleb schrieb 2008 ein Buch über plötzliche und unvorhergesehene Börsenereignisse. Seitdem ist der Begriff zu einem geflügelten Wort geworden. Schwarze Schwäne sind Ereignisse, die so selten sind, dass man sie nicht einkalkuliert. Innerhalb der letzten Jahre wurden jedoch sehr viele Schwarze Schwäne gesichtet: Die Immobilienkrise, die Euro-Krise, die Katastrophen in Japan und auch die von der FAZ als Arabellion bezeichneten Regimewechsel in Nordafrika. Und der nächste Schwarze Schwan ist möglicherweise schon im Anflug.
Sein Name: Immobilienblase in China. Die Preise seien aberwitzig, so Müller, und das bei Leerquoten von 60 bis 70 %. Immerhin sorge die Situation für Belebung auf dem Arbeitsmarkt. In China gebe es mittlerweile Housesitter, deren Aufgabe es ist, Häuser durch Ein- und Ausschalten von Licht bewohnt aussehen zu lassen. Eine ungewöhnliche Maßnahme der Preisstabilisierung, und eine bedenkliche dazu. Die Kapitalströme könnten sich bald umkehren und aus chinesischen Immobilien, Edelmetallen und Rohstoffen wieder herausfließen. Auch die anwesenden Experten auf der Messe konnten nicht mit letzter Sicherheit sagen, wie sich die momentane globale Situation zukünftig auf die Rohstoff-Märkte auswirken wird. Grund genug für professionelle Einkäufer, das eine oder andere zusätzliche Sicherheitsnetz beim Rohstoff-Einkauf zu spannen.
Eines wurde bereits zu Beginn klar: Rohstoffe sind bei Investoren und industriellen Käufern angesagt, aber von der Marktsituation, den politischen, finanziellen und geologischen Zusammenhängen her kaum miteinander vergleichbar. Der thematische Bogen spannte sich vom Salzabbau über die aktuellen Probleme der Uranbranche bis hin zum Hype-Thema Seltene Erden. Neben einer Vielzahl von Fachvorträgen und Podiumsdiskussionen gab es zahlreiche Möglichkeiten, sich an den Ständen der Aussteller individuell zu informieren und mit den Experten, die teilweise aus Amerika und Australien zur Messe anreisten, ins Gespräch zu kommen.
Seltene Erden, aber Land ist in Sicht - das Angebot wird steigen
Das offizielle Programm wurde mit einem launigen Vortrag von Dirk Müller, dem von der Presse gerne als "Gesicht des DAX" bezeichneten Börsenhändler, eröffnet. Er stellte einige Volten der Rohstoffmärkte dar, verwies jedoch darauf, dass die Gründe für die teilweise enormen Preisschwankungen sehr unterschiedlich sind. So waren sich die Fachleute bei den Seltenen Erden weitgehend einig: Hier sind viele Investoren auf den Zug aufgesprungen, aber die langfristige Entwicklung zeigt in eine andere Richtung. Aus gutem Grund, wenn man die Hintergründe kennt. Es ist noch gar nicht lange her, da bedienten die USA bis zu 85 % des Weltmarktes - seit einigen Jahren wird jedoch keine einzige Tonne mehr dort abgebaut. Heute ist China die kontrollierende Weltmacht bei den Seltenen Erden, die 97 % des weltweiten Marktes bedient. Das Land kennt das kleine Wirtschafts-Einmaleins und verringerte alleine in den letzten zwei Jahren drei Mal die Exportquoten, was in der Folge für steigende Preise sorgte.
Allerdings sind die Seltenen Erden gar nicht selten. Aufgrund der Preispolitik, manch einer auf der Messe sprach auch von Dumping, war die Exploration von Seltenen Erden in anderen Ländern nicht mehr wirtschaftlich. Der Wind hat sich jedoch gedreht, nicht zuletzt aufgrund der immer neuen Anwendungsgebiete, in denen Seltene Erden gute Dienste leisten. Der Buchautor und Rohstoff-Experte Christoph Brüning nannte exemplarisch das Neodymium, das in Hochleistungs-Magneten eingesetzt wird. Im Gegensatz zu konventionellen Magneten verlieren diese ihren Magnetismus auch bei hohen Temperaturen nicht. Daher werden sie in Turbinen und Hybridfahrzeugen eingesetzt, damit auch bei hoher Wärmeentwicklung weiterhin Strom erzeugt werden kann. Untersuchungen hätten ergeben, so Brüning, dass in jedem Hybridfahrzeug neun bis zwölf Pfund der Seltenen Erdmetalle eingesetzt werden.
Mit Substitution kann man der Situation kaum aus dem Weg gehen, da manche Elemente herausragende Eigenschaften besitzen, die sie so begehrt machen. Die Abhängigkeit von China und die gestiegene Nachfrage haben allerdings dafür gesorgt, dass die Wirtschaftlichkeitsanalysen der Explorationen heutzutage anders ausfallen. Es lohnt sich wieder, alte Vorkommen zu reaktivieren und die reichlich vorhandenen weltweiten Ressourcen zu erschließen. Ein Problem, das insbesondere die westlichen Nationen noch haben, ist das verloren gegangene Know-how, das man sich nun mühsam wieder erarbeiten muss. Es wird jedoch bald damit gerechnet, dass genügend Anbieter auf dem Markt sind, um die Vormachtstellung Chinas zu beenden. Brüning verwies in diesem Zusammenhang darauf, dass China hauptsächlich über die so genannten leichten Seltenen Erden verfüge. Er prophezeit die zunächst etwas kurios anmutende Entwicklung, dass China spätestens 2015 selbst zum Importeur wird, da das Land die schweren Seltenen Erden dann zukaufen muss.
Uran - Kurzfristig billig, langfristig nicht
In der Einschätzung zur aktuellen Lage an den Finanzmärkten spielte aus gegebenem Anlass die Situation nach den Katastrophen in Japan eine große Rolle. Das spürten auch die vier Vertreter von Uran-Explorationsunternehmen, die keinen günstigen Moment erwischt hatten, um ihre aktuellen Projekte anzupreisen. Die Meinungen über das radioaktive Metall gingen weit auseinander. Naturgemäß verwiesen die Firmenvertreter auf die nach wie vor große Nachfrage, die beispielsweise von China ausgehe. Immerhin: Keine drei Tage nach dem Beginn der Probleme mit den Reaktoren in Fukushima billigte der Volkskongress in China den Bau zahlreicher neuer Kraftwerke. Trotzdem müsse man Investitionen von Emotionen klar trennen und auf die Fakten achten.
Bei drastisch gefallenen Preisen und der erwarteten hohen Nachfrage würde dies bedeuten, dass gerade jetzt ein günstiger Zeitpunkt zur Deckung von Uranbedarf wäre. Kernenergie sei immer noch eine der sichersten und günstigsten Energiequellen. Darüber hinaus könnten alternative Energien auch mittel- und langfristig die Nachfrage nach Energie nicht alleine decken. Die Technologie mache Fortschritte, daher werde auch der Bedarf an Uran langfristig als groß angesehen. Der momentane Preiseinbruch sei emotional bedingt und nach Einschätzung der anwesenden Experten kurzfristig. Stichwort: "German Angst".
Einkauf mit Synergien bei Kali + Salz
Unbestritten ist dagegen, dass der Mensch Salz benötigt. Kai Kirchhoff, Investor Relations Manager bei Kali + Salz, gab einen kleinen Einblick in das einzige Rohstoffunternehmen im DAX. Kali + Salz hat eine sehr erfolgreiche Entwicklung hinter sich und ist mittlerweile der weltgrößte Salzhersteller. Die Gründe für die anfängliche Konzentration auf die namensgebenden Rohstoffe sind wirtschaftlicher Natur: Die Gewinnung von Kali und Salz weist viele Parallelen auf, so dass viele Synergieeffekte zum Tragen kommen - unter anderem ein gemeinsamer Einkauf.
Hinsichtlich vieler Nahrungsmittel-Rohstoffe stehe die Landwirtschaft laut Kirchhoff vor der Herausforderung, immer mehr Menschen mit begrenzt verfügbarem Ackerland zu ernähren. Das zweite Standbein des Unternehmens, Düngemittel, soll dabei Hilfe leisten. Die Lagerbestände an Mais und Getreide seien eher niedrig, da insbesondere im vergangenen Jahr das Angebot aufgrund vieler Dürren und weiterer Einflüsse kleiner war als die Nachfrage. Die Preise für Agrarprodukte bleiben davon nicht verschont, bereits zur Mitte des letzten Jahres gab es eine große Steigerung. Kirchhoff vermutet, dass dieses Niveau insgesamt weiter fortgeschrieben wird.
Rohstoff-Spekulationen durch mangelndes Vertrauen in die Währung
Dirk Müller erinnerte beim Rohstoff Mais aber auch an den letzten großen Preisausbruch nach oben. 2008 stieg der Preis innerhalb von wenigen Wochen, um kurz darauf weit unter den ursprünglichen Preis zu fallen. Einkäufer, die streng nach Fundamentaldaten geurteilt hatten, konnten diese Entwicklung kaum vorhersehen und einpreisen, da die Entwicklung spekulationsgetrieben war. Die Investoren hätten Kasse gemacht, weil sie die Kosten der Immobilienkrise zahlen mussten. Innerhalb kürzester Zeit haben sich die Kapitalströme damals umgekehrt. Dieses Risiko ist kaum kalkulierbar und insbesondere bei Lebensmitteln ein großes Ärgernis, ganz abgesehen von moralischen Bedenken. Vor diesem Hintergrund sind Sicherungsgeschäfte beinahe ein Muss, da sich die Entwicklung auch bei anderen Rohstoffen wiederholen kann.
Ein Grund für die stark gestiegene Anzahl an Spekulanten und der Boom vieler Rohstoffe ist das geschwundene Vertrauen in die Währung, so Müller. Er untermauerte seine These mit der Verschuldung Amerikas, die nicht mehr einzufangen sei. Eine grundlegende Sanierung würde gar nicht mehr in Angriff genommen, weil am Ende dieser Entwicklungen die Schulden neu verhandelt würden. Die Ansprüche gegen den Staat blieben gleich, aber die Belastungen, die Zinslast, wären nicht mehr vorhanden. Die Frage sei nicht mehr ob dies geschieht, sondern wann. Exemplarisch wird dies gerade an Griechenland deutlich, und ein Fingerzeig, dass Müllers These richtig ist, gab der frühere EZB-Chefvolkswirt Issing in einem Spiegel-Interview am vergangenen Wochenende: An einer Umschuldung für Griechenland führe kein Weg vorbei. Liest man diese Schlagzeilen in einigen Jahren auch über die USA und Deutschland?
Unbeliebt bei Spekulanten und Einkäufern: Schwarze Schwäne
Die dramatischen Entwicklungen spielten auch bei den Industriemetallen eine signifikante Rolle. Die Lager für Aluminium und Blei seien seit 2009 randvoll, doch die Preise wären in der gleichen Zeit deutlich angestiegen. Im Endeffekt spiele es gar keine Rolle, so Müller, ob die Industrie die Rohstoffe nachfragt - die Investoren fragen sie nach. Ein weiterer Grund für Einkäufer, sich bei Rohstoffen lieber gegen allzu große Preisschwankungen abzusichern, sind Schwarze Schwäne. Der Schriftsteller Nassim Taleb schrieb 2008 ein Buch über plötzliche und unvorhergesehene Börsenereignisse. Seitdem ist der Begriff zu einem geflügelten Wort geworden. Schwarze Schwäne sind Ereignisse, die so selten sind, dass man sie nicht einkalkuliert. Innerhalb der letzten Jahre wurden jedoch sehr viele Schwarze Schwäne gesichtet: Die Immobilienkrise, die Euro-Krise, die Katastrophen in Japan und auch die von der FAZ als Arabellion bezeichneten Regimewechsel in Nordafrika. Und der nächste Schwarze Schwan ist möglicherweise schon im Anflug.
Sein Name: Immobilienblase in China. Die Preise seien aberwitzig, so Müller, und das bei Leerquoten von 60 bis 70 %. Immerhin sorge die Situation für Belebung auf dem Arbeitsmarkt. In China gebe es mittlerweile Housesitter, deren Aufgabe es ist, Häuser durch Ein- und Ausschalten von Licht bewohnt aussehen zu lassen. Eine ungewöhnliche Maßnahme der Preisstabilisierung, und eine bedenkliche dazu. Die Kapitalströme könnten sich bald umkehren und aus chinesischen Immobilien, Edelmetallen und Rohstoffen wieder herausfließen. Auch die anwesenden Experten auf der Messe konnten nicht mit letzter Sicherheit sagen, wie sich die momentane globale Situation zukünftig auf die Rohstoff-Märkte auswirken wird. Grund genug für professionelle Einkäufer, das eine oder andere zusätzliche Sicherheitsnetz beim Rohstoff-Einkauf zu spannen.
Verfasser: David Schahinian