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11.03.2011

Akademische Grade im Fieberwahn? Einkäufertitel unter der Lupe

Wer soll denn da noch durchblicken? Früher gab es den Kaufmann und den Fachkaufmann, den Ingenieur und den Betriebswirt. Das war's. Heute wird man immer wieder mit neuen "Titeln" überrascht, auch im Einkauf.

Vergangene Woche ist uns eine besondere Visitenkarte aufgefallen. Sie enthielt die beeindruckende Bezeichnung "Dipl. Einkaufsleiter (EBS)". Das machte neugierig. Ist wirklich etwas dran an der verwirrenden Titelvielfalt?

Die Welt der akademischen Grade ist (noch) in Ordnung
Eine kleine Recherche beruhigt dann wieder. Gerade wenn man über Hochschulgrade spricht, erscheint die Welt noch in Ordnung. So sieht das Hochschulrahmengesetz im Wesentlichen den akademischen Diplomgrad und den akademischen Diplomgrad mit dem Zusatz (FH) vor. Außerdem wurde zuletzt die Einrichtung von Studiengängen ermöglicht, die zu einem akademischen Bachelor- oder Mastergrad führen.

Doch wo kommen die ganzen phantasievollen “Titel” her?
Wenn man weiter forscht, stößt man schnell auf so genannte “staatliche Abschlussbezeichnungen”. Diese werden gewöhnlich von Bildungseinrichtungen vergeben und sind keine akademischen Grade. Während akademische Grade nur von Hochschulen verliehen werden dürfen, können die staatlichen Abschlussbezeichnungen bspw. durch Berufsakademien vergeben werden. Auch Meistertitel, Berufsbezeichnungen, die mit der Bezeichnung “staatlich geprüfter...” anfangen, oder Berufsabschlüsse mit dem Zusatz “staatlich geprüft” werden darunter subsumiert.

Was ist nun mit der Bezeichnung “Dipl. Einkaufsleiter (EBS)"?
Ein Blick auf die Webseite der European Business School (=EBS!) bringt nach einiger Suche im Dickicht der EBS-eigenen “Departments” und Institute schnell Licht ins Dunkel. Im “Supply Chain Management Institute” der EBS haben ambitionierte Einkäufer die Möglichkeit, sich in einem “Intensivstudium Einkaufsleiter” berufsbegleitend weiterzubilden. Für 7.500 EUR (“zzgl. MwSt., inklusive Teilnehmerunterlagen und Verpflegung vor Ort, exklusive Reise- und Übernachtungskosten”) kann man über “15 Tage, fünf Module in zwölf Monaten” den Abschluss “Einkaufsleiter (EBS)” erwerben.

Die EBS nennt das korrekterweise nicht Diplom, sondern spricht immerhin von einem “Universitätszertifikat”, mit dem man sich dann fortan schmücken darf. Somit sollte dieser Abschluss unter die “staatlichen Abschlussbezeichnungen” ergo “nichtakademischen Grade” fallen.

Fazit
Der gefühlte Bildungsnotstand, die phantasiereiche Fortbildungsindustrie und die Jagd nach Ehr’ und Auszeichnungen führen zwar zu immer neuen Blüten bei den Abschlussbezeichnungen. Aber sie sind allesamt oder zumindest überwiegend nicht-akademische Grade. Was die Angelegenheit allerdings nicht viel einfacher macht. Möglicherweise entstand die eingangs erwähnte Bezeichnung noch im Überschwang der Freude nach Erwerb des elitären EBS-Zertifikats und wurde eine Spur zu optimistisch aufgepeppt. Aber: diese Abschlussbezeichnung - da gibt es kein Vertun - sie existiert.

Wer schließlich doch Wert darauf legt, dass das Wörtchen “Diplom” seine Berufsbezeichnung ziert, sollte unbedingt einmal bei der BME Akademie vorbeischauen. Dort werden zwei inzwischen sehr anerkannte Bildungsabschlüsse angeboten: Der “Diplomierte Einkaufsexperte (BME)” und der “Diplomierte Einkaufsmanager (BME)”.

Alternativ empfiehlt sich der Besuch einer Hochschule. Dauert jedoch länger und es besteht die “Gefahr”, am Ende “nur” Master oder Bachelor zu sein.

Verfasser: Laurenz Büschel

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