BME Rhein-Main-Region

02.06.2026

Digitaler Euro: Wenn der Zehner online geht

Bargeld ist beliebt, aber auf dem Rückzug. Nun sollen die vorhandenen Karten- und Onlinezahlungen auch noch durch einen digitalen Euro ergänzt werden – aus mehreren guten Gründen, wie der Präsident der Bundesbank-Hauptverwaltung in Hessen erklärte.

Bargeld ist nützlich und wichtig – dieser These stimmten per Handzeichen fast alle zu. Auf die zweite Frage von Dr. Ulf Slopek, wer seine Einkäufe im Lebensmittelmarkt regelmäßig mit Bargeld bezahlt, blieben jedoch fast alle Hände unten. Damit hatte der Präsident der Bundesbank-Hauptverwaltung in Hessen im Kleinen aufgezeigt, was auch im Großen zu beobachten ist: Bargeld ist beliebt, aber auf dem Rückzug. Karten- und Onlinezahlungen nehmen zu. Nun sollen die vorhandenen Angebote auch noch durch einen digitalen Euro ergänzt werden – aus mehreren guten Gründen, wie er erklärte.

Der Ort für die Veranstaltung des BME rmr hätte passender kaum sein können, denn der nicht öffentlich zugängliche Historische Saal der Deutschen Bundesbank in der Taunusanlage 5 atmet Währungsgeschichte. Das denkmalgeschützte Gebäude wurde in den späten 1920er-Jahren für die damalige Reichsbank entworfen, überstand den Zweiten Weltkrieg nahezu unbeschadet und wurde dann Sitzungsort des Zentralbankrates der Bank deutscher Länder. Dies führte in den 1950er-Jahren auch dazu, dass alle namhaften Privatbanken ihren Hauptsitz in die Nähe verlegten, erklärte Slopek: „Sie sitzen hier also in der Geburtsstätte der Finanzmetropole Frankfurt“.

Der digitale Euro war damals noch Zukunftsmusik, heute ist die Welt eine andere. Eine Entscheidung über seine Einführung wurde noch nicht getroffen, aber die Pläne sind schon weit gediehen. Slopek betonte dabei mehrmals, dass die digitale Form des Euro das Bargeld nicht ersetzen soll. Es werde weiter bestehen bleiben, solange es genutzt und nachgefragt wird. Umso naheliegender ist die Frage, wozu es einen digitalen Euro braucht.

Seine Antwort leitete der Referent mit Zahlen ein, die manchen überraschten: „Etwa zwei Drittel aller Kartenzahlungen in Europa werden über außereuropäische Zahlungsanbieter abgewickelt.“ Sie kassieren dafür nicht nur Gebühren. Auch ist festzustellen: Digitale Souveränität sieht anders aus. Der digitale Euro würde die Abhängigkeit insbesondere von den USA verringern. Apropos USA: Bezahldienste wie Paypal sind zwar kostenlos, aber nur aus finanzieller Sicht. Denn bezahlt wird mit Daten: Auf der Liste der Drittparteien, an die personenbezogene Daten weitergegeben werden können, stehen derzeit mehr als 600 Einträge. Hinzu kommt: Hier wie da handelt es sich um privatwirtschaftliche Unternehmen.

Zielzeit 2029

Slopek nannte vor allem drei Vorteile, die Bürgerinnen und Bürger von dem digitalen Euro haben würden:

  • Eine größere Auswahl an Zahlungsmitteln. Sie können mit dem digitalen Euro immer und praktisch überall im Euroraum bezahlen. Denn für ihn soll es eine Annahmepflicht im Einzelhandel geben.
  • Seine Grundfunktionen sollen gebührenfrei sein.
  • Mehr Privatsphäre als bei privaten digitalen Bezahllösungen, wenngleich der digitale Euro nie derart anonym wie Bargeld sein können wird.

Zudem solle der digitale Euro auch offline funktionieren. In dieser Funktion werde er dann doch eine Anonymität ähnlich wie Bargeld bieten. Für Menschen, die kein Smartphone haben oder damit nicht bezahlen wollen, soll er außerdem per Karte nutzbar sein. Ob es so kommt, ist noch offen. „Das Eurosystem strebt an, bis 2029 für die Ausgabe des digitalen Euro bereit zu sein“, heißt es dazu offiziell.

Geld nutzt jeder und jede, und so war es nicht verwunderlich, dass nach dem Vortrag viele, mitunter auch kritische Fragen gestellt wurden. Zu technischen Details oder zu den Kosten etwa. Es kristallisierte sich unter anderem heraus, dass die Haltung der Privatbanken zum digitalen Euro ein wichtiger Faktor in künftigen Verhandlungen wird. Sie müssten womöglich auf einen Teil der Einnahmen verzichten, würden aber auch die Chance erhalten, neue Services rund um den digitalen Euro anzubieten. Insgesamt, davon ist Slopek überzeugt, wird der digitale Euro die Chance bieten, Europa unabhängiger zu machen und die Wohlfahrt der Mitgliedsländer zu steigern. Wie emotional das Thema Geld ist, zeigte sich indes bis zum Ende der Veranstaltung: Auch beim Networking suchten viele das Gespräch mit dem Referenten.


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