BME Rhein-Main und Darmstadt: Führung durch den Wetterpark - Donnerwetter, das war lehrreich!
In der Regel sollte man bei Veranstaltungsberichten nicht über das Wetter schreiben – könnte es doch den Anschein erwecken, dass es nichts Spannenderes zu berichten gab. Hier soll es ausnahmsweise sogar im Mittelpunkt stehen, und das aus gutem Grund. Die BME-Regionen Rhein-Main und Darmstadt hatten gemeinsam in den Wetterpark nach Offenbach eingeladen. Auf dem 20.000 Quadratmeter großen Lehr- und Erlebnispfad erfährt man viel über Wetterphänomene im Speziellen und das Klima im Allgemeinen. Zumindest, wenn man einen so kompetenten Führer wie Alfons Beffert bei sich weiß. Der Diplom-Meteorologe hatte sich speziell auf das aktuelle Schwerpunktthema des BME rmr, Nachhaltigkeit, vorbereitet.
Die Idee zu dem 2005 eröffneten Park hatte eine Studentin der Gesamthochschule Kassel, erklärte er. Bis dahin war Offenbach vor allem als Lederstadt bekannt gewesen, doch dieser Ruhm war längst verblasst. Vielen war die Stadt mittlerweile eher als Sitz des Deutschen Wetterdienstes geläufig. Gemeinsam mit der Regionalpark Ballungsraum Rhein-Main GmbH und unterstützt von der EU richtete man auf dem ehemaligen Gelände der Stadtgärtnerei ein Freilichtmuseum mit insgesamt 17 Stationen ein. Der Park ist rund um die Uhr frei zugänglich und wird von vielen Städtern auch als Naherholungsgebiet genutzt.
Nach einer kurzen Einführung zur Historie der Wettermessung wurden die rund 25 Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu einem drei mal drei Meter großen und begehbaren Kubus geführt. Grob 27 Kilogramm Luft passen hinein. Der Aha-Effekt folgte direkt daneben: Ein kleiner metallener Würfel, den man mit den Händen hochheben konnte. Überraschung: Er wog ebenfalls 27 Kilogramm. Es kommt eben entscheidend auf die Dichte an. Ziel der „Station Luftdruck“ war es, das Gewicht der Luft anschaulich zu erläutern.
Treibhausgase: Wohl und Wehe
Eine Station weiter ging es um Ernsthafteres: das Klima und die Treibhausgase. „Sie machen die Erde erst bewohnbar, weil sie die Wärmeabstrahlung blockieren“, erklärte der Meteorologe. Ohne sie läge die Durchschnittstemperatur auf der Erde weit unter null Grad Celsius. Das große Aber folgte auf dem Fuß: Durch die Industrialisierung hat die weltweite Kohlendioxid-Konzentration in den vergangenen 150 Jahren um 44 Prozent zugenommen, während sie in den 10.000 Jahren davor nahezu konstant war. Die Folgen dieser Entwicklung kann heute jeder sehen, der die Augen davor nicht verschließt. „Es wäre jedoch falsch, sich beim Klimawandel nur auf die Temperatur zu fokussieren“, fand Alfons Beffert. Die Zusammenhänge seien viel komplexer. So ändere sich auch die Vegetation, um nur ein Beispiel zu nennen.
Was tun? Über die möglichen Antworten entbrannte eine spannende Diskussion. Ein Tempolimit auf allen Autobahnen? Noch mehr E-Mobilität? Oder eher weniger und stattdessen mehr Geld in die Forschung und Entwicklung von Autos mit Wasserstoff-Antrieb investieren? Die Meinungen darüber gingen auseinander, doch letztlich kristallisierte sich ein Konsens heraus: Am besten, man fängt bei sich selbst an und hinterfragt kritisch, wie man schonender und nachhaltiger mit den vorhandenen Ressourcen umgehen kann.
Der Blick aus dem All
Über weitere Stationen kam die Gruppe nach knapp anderthalb Stunden schließlich an einem Gebilde an, das sich weit nach oben erstreckte. Bei genauerem Hinsehen, spätestens aber beim Blick auf die Erklärtafel wurde klar: Hier handelt es sich um einen Wettersatelliten vom Typ Meteosat 9 im Maßstab 1 zu 4. Das Original beziehungsweise sein Nachfolger ist noch weit höher unterwegs: Aus 36.000 Kilometern Entfernung tastet er zwecks Wetterbeobachtung und Klimaforschung ununterbrochen die Erde ab. Nach seiner „aktiven Laufbahn“ blieb Meteosat 9 für die Forschung weiterhin wertvoll: Nachdem Meteosat 10 und 11 seine Hauptaufgaben übernahmen, liefert er bis heute zusätzliche Bilder von Europa für die sogenannte Kürzestfristvorhersage.
Wie lehrreich – und manchmal auch erschreckend – der Blick von weit oben ist, demonstrierte Alfons Beffert zusätzlich anhand eines Fotos der NASA. Was wie Kondensstreifen aussah, wie man sie von Flugzeugen am Himmel kennt, waren Schiffsspuren im Wolkenbild. Dass große Schiffe mitunter ebenso große Umweltverschmutzer sind, ist bekannt. Diesel und Schweröl gelangen so in die Atmosphäre, die dort, verkürzt gesagt, zur Wolkenbildung beitragen. Diese bleiben sehr lange erhalten – und doch stehen Flugzeuge viel stärker als Tanker im Kreuzfeuer der Kritik, weil die Streifen eben besser sichtbar sind. Es war ein letzter von vielen Gedankenanstößen, die die Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus dem Wetterpark mit nach Hause nahmen.
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David Schahinian